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Unternehmensethik – Ein phänomenologischer Beitrag zur theoretischen Fundierung

"Ethik und Ökonomie"  · Band 21

154 Seiten ·  24,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1393-0 (Oktober 2019 )

 
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Wie soll in wirtschaftlichen Kontexten gehandelt werden? Worin begründet sich der Maßstab für gutes Handeln in wirtschaftlichen Kontexten? Aber auch: Worin begründet sich generell der Maßstab für gutes Handeln?

Vor dem Hintergrund dieser Fragen werden gängige Ansätze sowohl der Wirtschafts- und Unternehmensethik als auch der Moralphilosophie beleuchtet. Dabei wird deutlich, dass bereits die Art und Weise, wie über Ethik und Moral gesprochen wird, ein Problem darstellt, weil hierdurch nicht selten der Eindruck erweckt wird, das Gute sei etwas eigenständiges und von Handlungen losgelöstes. Mittels phänomenologischer Betrachtung werden die Bedingungen der Möglichkeit der Bewertung von Handlungen analysiert und auf dieser Basis eine Unterscheidung zwischen dem Erkennen 'von etwas als etwas' und dessen Bewertung kritisiert. Mit Rückgriff auf Perspektiven von Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger wird der sich hieraus ergebene Zusammenfall von Ethik und Ontologie weiter plausibilisiert. Da die Möglichkeit ethischer Letztbegründungen damit wegfällt, fehlt individuell auch eine absolute Gewissheit, das Richtige zu tun. Diese Gewissheit wird vor dem Hintergrund des entwickelten Ansatzes als 'Abwesenheit von Gründen, an etwas zu zweifeln' rekonstruiert. Die vorgestellte Perspektive impliziert eine Verschiebung des Fokus von Fragen der Begründung zu Fragen des Umgangs mit (unausweichlich) widersprüchlichen Handlungsnormen in wirtschaftlichen Kontexten und darüber hinaus.

Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik - zfwu 1/2020, S. 86-90 ()

"Wirtschaftsethik scheint eine zunehmend wichtige Rolle in modernen Wirtschaften zu spielen. Die Fülle an Forschungsliteratur zu wirtschaftsethischen Fragen einerseits und die Zunahme an gesellschaftlichen Debattenbeiträgen zur ethischen Rechtfertigung unternehmerischer Entscheidungen andererseits zeugen davon. Vor diesem Hintergrund will der Autor, Florian Krause, in seinem Buch, das zugleich seine Dissertation an der Universität St. Gallen darstellt, in einer ganz grundsätzlichen Weise klären, was eigentlich unter einer "guten Handlung" im Kontext der Wirtschaft zu verstehen ist. Diese grundlegende Klärung ist für das Verständnis der Wirtschafts- und Unternehmensethik zentral, da auf diese Weise ein Maßstab beschrieben werden soll, anhand dessen auch unterschiedliche Ansätze der Wirtschafts- und Unternehmensethik, die laut Aussage des Autors unzureichend oder problematisch sind (9), gemessen werden können. Um diese Fragestellung zu klären, wählt der Autor eine phänomenologische Herangehensweise, also eine philosophische Sichtweise, die Erkenntnisse von Heidegger und Wittgenstein fruchtbar macht.

Das Buch folgt einer klaren Gliederung aus vier Teilen. Im ersten Teil wird begründet, warum es überhaupt einen solchen Maßstab zur Bestimmung guten Handelns in der Wirtschaft braucht. Auf der Basis eines Durchgangs durch die gängigen wirtschaftsethischen Ansätze und zugrundliegende Moralphilosophien soll dargelegt werden, inwiefern diese auf implizite oder rein subjektive Vorstellungen von Moral oder Ethik zurückgreifen, um gutes Handeln zu bestimmen. Als "gängige" Ansätze identifiziert der Autor drei wesentliche Ansätze, nämlich einen ordnungsbezogenen, einen integrativen und einen kulturalistischen (21). Auch wenn für die Ermittlung dieser Ansätze internationale Zeitschriften herangezogen wurden, verweist diese Auswahl auf einen deutschsprachigen Kontext, der lange Zeit durch die Gegenüberstellung von ordnungsbezogenen (Homann-Schule) und integrativen (Ulrich-Schule) wirtschaftsethischen Ansätzen geprägt war. Diese werden hier durch den kulturalistischen Ansatz (Beschorner) ergänzt. Die deutschsprachige Debatte war und ist durch eine theoretische Fundierung in moralphilosophischen Ansätzen geprägt, während etwa die angelsächsischen wirtschafte- und unternehmensethischen Ansätze zum Teil stärker in Praxisbezügen fundiert sind. Solche Ansätze (insbesondere im Bereich CSR) werden unter dem Abschnitt "Weitere Ansätze" sehr knapp behandelt (36-39). Hier hätte man gegebenenfalls ein breiteres Spektrum an wirtschaftsethischen Perspektiven einbeziehen können.

Die Diskussion ordnungsbezogener und integrativer Ansätze ist in der Vergangenheit schon häufig erfolgt. Der Autor kommt hier - wie schon viele andere vor ihm - zu dem Schluss, dass beide Ansätze Schwachstellen in Bezug auf die Bewertung "guter Handlungen" aufweisen. Beim kulturalistischen Ansatz sind "kulturelle Faktoren" relevant für die Bewertung von Handlungen (33). Allerdings wird durch die Betonung der komplexen soziokulturellen Kontextbedingungen die Identifikation eines Maßstabs guten Handelns problematisch, so dass der Autor zu dem Schluss kommt, der "Begriff der Kultur bzw. der Verweis auf die Praxis der Bewertung innerhalb dieser Kultur allein" könne keine zufriedenstellende Antwort für die Frage nach dem Maßstab für gute Handlungen liefern (36). In der Summe leitet der Autor daraus ab, dass moralphilosophische Grundlagen als Referenzrahmen zur Bewertung von Handlungen für die wichtigsten Wirtschafts- und Unternehmensethiken dienen, weshalb er diese im Folgenden einer komprimierten Analyse unterzieht. Die gesinnungsethischen Ansätze beurteilen Handlungen anhand des Kriteriums "das Gute zu wollen" (41), unabhängig von den Folgen der Handlung. Unter dieser Rubrik behandelt der Autor deontologische, also an Pflichten orientierte Ansätze, prozessethische Ansätze, die das Ergebnis eines Diskurses zum Kriterium erheben, und vertragstheoretisehe Ansätze. Dann betrachtet er konsequenzialistische Ansätze, die Handlungen dann als gut bewerten, "wenn sie ein gutes Ziel" bewirken (49). Hier untersucht er utilitaristische und eigennutzorientierte Ansätze, also Ansätze, die in den Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsethik bereits breit diskutiert wurden. Am Ende widmet er sich noch "weiteren Ansätzen" (53), darunter tugendethischen Ansätze, die sich entweder an bestimmten Eigenschaften der Handelnden oder an Gefühlen orientierten, durch die Handlende geleitet werden oder die durch ihre Handlungen ausgelöst werden. Doch am Ende kommt der Autor zu dem Schluss, dass alle diskutierten Ansätze "sich jeweils nicht als universelle Begründungsschemata für die Bewertung von Handlungen eignen" (57). ..."




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