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Unternehmerische Nachhaltigkeit, Suffizienz und Zeitknappheit
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Unternehmerische Nachhaltigkeit, Suffizienz und Zeitknappheit

23 Seiten · 3,64 EUR
(Oktober 2009)

 
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Aus der Einleitung:

Nicht erst seit dem Bonmot „König Kunde ruiniert sein Land“ (Pötter 2005) hat sich herum gesprochen, an welcher Stelle die Transformation „klemmt“. Wie viele nachhaltige Lösungen soll der Unternehmenssektor denn noch entwickeln, wenn König Kunde es vorzieht, diese zu ignorieren? Über dieses Scheitern ließe sich mittlerweile eine eigene Dogmenhistorie und Theorie aufschreiben. Insbesondere eine systematische Analyse all dessen, was in enger Verbindung zu Reboundeffekten steht, müsste darin enthalten sein. Verbunden damit würde die für Betriebswirte kaum genießbare Wachstumsfrage auf den Plan treten: Lässt sich die auf ökonomischer Expansion basierende Struktur des aktuellen Wohlstandsmodells dadurch retten, dass deren Inhalte gegen nachhaltige Varianten ausgetauscht werden? Und wenn nein, wäre die dann unweigerlich ins Visier zu nehmende „Postwachstumsökonomie“ (Paech 2008) den Theorieapparaten der Betriebswirtschaftslehre zugänglich? Angenommen, es griffen demgemäß suffiziente Lebensstile Platz – nicht etwa aus Gründen eines seit drei Jahrzehnten beschworenen, aber nie Praxis gewordenen sozio-kulturellen Wandels, sondern aus purer ökonomischer Notwendigkeit: „Peak Everything“ (Heinberg 2007), „Basar-Ökonomie“-Effekt (Sinn 2005) etc. –, welche Unternehmenspolitiken bräuchte es dann? Und schließlich: In welcher Relation stehen nachhaltiger Konsum und Suffizienz? Insbesondere auf die beiden letztgenannten Fragen soll im Folgenden eingegangen werden, da die wirtschaftswissenschaftliche Nachhaltigkeitsdiskussion – auch in Oldenburg – momentan auf den Fluchtpunkt „Nachhaltiger Konsum“ hinauszulaufen scheint. Der vorliegende Beitrag handelt davon, dass die Hoffnung, mit dieser vermeintlichen Blickwende endlich ursachenadäquatere Gefilde zu betreten, völlig unbegründet ist. Gegenübergestellt wird dem Konsumdiskurs eine mögliche „Ökonomische Theorie der Suffizienz“, die hier nur skizzenhaft dargestellt, demnächst aber weiter vervollständigt werden soll. Suffizienz ist keineswegs, wie selbst in der wissenschaftlichen Literatur mancherorts nachzulesen, eine nahe Verwandte desnachhaltigen Konsums, sondern deren Widerpart. Sie verkörpert den Nicht-Konsum.

Verzichtet wird an dieser Stelle auf eine ausführliche Bestandsaufnahme der bisherigen Suffizienzdiskussion. Die hier vorgestellte ökonomische Logik suffizienter Lebensstile basiert auf einem neuen Knappheitsphänomen und bedient sich klassischer Instrumente der Mikroökonomik. Dies darf nicht als Angriff auf die zuvor angesprochene kulturalistische Wende verstanden werden. Ganz im Gegenteil: Beide Ansätze können sich ergänzen. Ebenso können Suffizienz und nachhaltiger Konsum gerade wegen ihrer unüberbrückbaren Differenz zu komplementären Bausteinen einer Postwachstumsökonomie werden – allerdings nur, wenn nachhaltiger Konsum als Restgröße betrachtet wird, die erst nach Abschöpfung aller Suffizienzpotenziale zum Gegenstand wachstumsneutraler Versorgungsstrukturen wird.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
Irene Antoni-Komar, Marina Beermann, Christian Lautermann, Joachim Müller, Niko Paech, Hedda Schattke, Uwe Schneidewind, Reinhard Schulz (Hg.):
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
the author
apl. Prof. Dr. Niko Paech
Niko Paech

geb. 1960, seit 2016 Hochschullehrer an der Universität Siegen im Masterstudiengang „Plurale Ökonomik“; seit 2015 Bereichsleiter in den Forschungsprojekten NEDS, VERA und NASCENT; 2013-2016 Leiter des BMBF-Forschungsprojektes EnGeno; seit 2010 Außerplanmäßiger Professor; 2008-2016 Vertreter des Lehrstuhls für Produktion und Umwelt (PUM) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

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