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Wednesday, August 21, 2019
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Verbraucherpolitik auf Vertrauensgütermärkten
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Verbraucherpolitik auf Vertrauensgütermärkten

22 Seiten · 3,87 EUR
(Juni 2006)

 
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Aus der Einleitung des Beitrags:

Als das ehemalige deutsche Bundeslandwirtschaftsministerium am Jahresende 2000 zum „Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft“ (BMVEL) umgestaltet wurde und auch in einigen Bundesländern der Verbraucherpolitik ministerialer Rang verliehen wurde, war dies die politikstrategische Reaktion auf eine tiefe Vertrauenskrise, die die Verbraucher als „BSE-Skandal“ erlebten. 40 Jahre verbraucherpolitische Lobbyarbeit hatten es nicht vermocht, der Verbraucherpolitik Kabinettsrang zu verleihen – 40 Kühe schafften dies in einem Jahr.

Ökonomisch betrachtet war auf dem Vertrauensgütermarkt „Rindfleisch“ ein gravierendes Qualitätsproblem aufgetaucht, das die staatliche Lebensmittelkontrolle weder im erwarteten Umfang noch zum richtigen Zeitpunkt erkannt und kommuniziert hatte. Aus diesem Informationsversagen resultierte ein enormer Vertrauensschwund der Konsumenten in die für die Lebensmittelsicherheit zuständigen Institutionen. Primäre Aufgabe der neuen Ministerien war daher die Wiedergewinnung und der Aufbau von Vertrauen – und zwar bei systemimmanent problematischer Marktlage auf Vertrauensgütermärkten.

Vertrauensgütermärkte sind Märkte, auf denen Konsumenten unter hoher Unsicherheit bzw. Unwissenheit entscheiden, da sie relevante Qualitätsaspekte ausgewählter Leistungsbündel entweder gar nicht oder nur durch den Einsatz prohibitiver Kosten bewerten können. Verborgene Qualitätsaspekte – wie eben auch die Unbedenklichkeit von Rindfleisch bezüglich BSE-Erreger – führen zu unüberwindbaren Informationsasymmetrien zwischen Nachfragern und Anbietern (Leopold 1993). Asymmetrische Informationen sind eine bedeutende Restriktion wirtschaftlichen Handelns, die zu unerwünschter Fehlallokation führt (Erlei 2004). Die Kombination aus Nicht-Wissen-Können und Nicht-Wissen-Wollen verschiedener marktlicher und staatlicher Akteure bietet Anreize zu opportunistischem Verhalten (Adam 1998), weshalb Vertrauensgütermärkte eine der zentralen verbraucherpolitischen Problemlagen und Handlungsfelder darstellen.

Dies galt schon seit den Anfängen der Verbraucherpolitik in Deutschland in den 1960er Jahren, hat jedoch heute angesichts technologischer Entwicklungen (insbesondere der Informations- und Kommunikationstechnologie), komplexer Dienstleistungen, kurzlebiger Produkte, Deregulierung und Privatisierung (die aus Bürgern Kunden macht) sowie globalisierten Handelsbeziehungen im Rahmen einer „neuen Verbraucherpolitik“ noch an Bedeutung gewonnen (Reisch 2002a, 2003a). Das vorliegende Kapitel beschäftigt sich daher mit der Herausforderung, die Vertrauensgütermärkte für die Verbraucherpolitik darstellen. Zunächst werden die Dimensionen des Konsumentenvertrauens behandelt. Anschließend geht es um theoretische Ansätze in der Konsumökonomik, die sich mit dem Konzept „Vertrauen“ und Vertrauensgüter beschäftigen. Insbesondere wird auf das markttheoretische Konzept moderner Optionsmärkte sowie auf informationsökonomische Erklärungen von Vertrauensgütermärkten rekurriert. Am Beispiel des Güterversorgungssystems „Lebensmittelmarkt“ wird das Gesagte verdeutlicht. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf politikpraktische Lösungsoptionen für Vertrauensgütermärkte sowie Implikationen für die verbraucherpolitische Forschung und Praxis.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Reputation und Vertrauen
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Reputation und Vertrauen
the author
Prof. Dr. Lucia Reisch
Lucia Reisch

Professorin für interkulturelles Konsumentenverhalten und Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School, Frederiksberg, Dänemark. Ständige Gastprofessur an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Prof. Reisch ist in mehreren verbraucherpolitischen Gremien tätig, u.a. Vorsitzende der Verbraucherkommission Baden-Württemberg und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Verbraucherpolitik beim BMELV, der Ethikkommission Sichere Energieversorgung der Bundesregierung und des Rats für nachhaltige Entwicklung. Arbeitsschwerpunkte: Nachhaltiger Konsum; interkulturelles Konsumentenverhalten, europäische Verbraucherpolitik.

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