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Donnerstag, 19. Juli 2018
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Verschiedene Logiken: Politik, Ökonomie und Beratung
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Verschiedene Logiken: Politik, Ökonomie und Beratung

15 Seiten · 3,42 EUR
(Oktober 2009)

 
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Aus der Einleitung:

„Meist sind Politikberater ganz offensichtlich nicht in der Lage, Mehrheiten für ihre Ideen in der Politik oder Öffentlichkeit zu finden; mit anderen Worten, sie sind nahezu einflußlos“ (Wilke 1999). Wilke spricht, wenn er von Politikberatern spricht, von Ökonomen; er belegt seine Aussage an der Wirkungslosigkeit ökonomischer Beratung bei der Einführung des Pflegegesetzes. Der Politikprozess entscheidet, nicht der Berater. Die Verhältnisverteilung zwischen ökonomischen und nicht-ökonomischen Beratern sei häufig so bestellt, dass ökonomische Argumentationen einflusslos bleiben. Wenn Ökonomen Politiker beraten, haben wir es nicht mit einer einheitlichen Wissensdomäne zu tun, sondern mit unterschiedlichen Systemen: Politiker wollen nicht notwendigerweise ökonomisch denken lernen, sondern bloß ökonomische Einschätzungen der Wirkungen und Folgen ihrer politischen Entscheidungen. Pitlik hält das bereits für einen Beratungserfolg. Es geht folglich nicht, oder nur seltenst, um Wissensangleichungen, sondern um Übersetzungen, denn Ökonomen denken ökonomisch, Politiker politisch. Ökonomen wünschen sich allerdings, dass Politiker ökonomisch denken. Das ist ein verständlicher Wunsch, aber letztlich eine unrealistische Präferenz der Ökonomen. Umgekehrt wünschen Politiker auch, dass Ökonomen politisch denken. Was als Trivialität erscheinen mag, ist eine systematische Differenz, die zu vernachlässigen nicht-triviale Folgen hat. Politiker arbeiten in Machtspielen; sie haben das Interesse, wiedergewählt zu werden. Ökonomen, die die Politik ökonomisch analysieren, halten diese Haltung für zulässig, müssen aber auch die Folgen aushalten, die sie als Berater treffen, wenn ihre Beratungsvorschläge nicht mit den Interessen der Politiker konkludieren. Wirtschaftspolitische Beratung interessiert die Politiker rational nur soweit, wie sie ihre politische Interessenposition aufrechterhalten oder ausbauen können. Ökonomen hingegen präferieren rationale Spiele; ihre ökonomischen Konzepte, die ihren Beratungen zugrunde liegen, interpretieren wirtschaftliche Interdependenzen, Allokationszusammenhänge und Kosten-/Nutzendifferenzen. Beide – Ökonomen wie Politiker – entwickeln Perspektiven über die ‚Welt‘, die sich nicht selbstverständlich decken.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Autor
Prof. Dr. Birger Priddat
Birger Priddat

Lehrstuhl für Politische Ökonomie, Universität Witten-Herdecke.

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