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Vertrauen und Reputation:
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Vertrauen und Reputation:

Beiträge der experimentellen Ökonomik

25 Seiten · 4,77 EUR
(02. Juni 2006)

 
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Aus der Einleitung des Beitrags:

Ist Vertrauen in modernen Ökonomien noch nötig? Man könnte versucht sein, diese Frage zu verneinen. So geschieht ein großer Teil der Tauschinteraktionen zwischen Menschen in industrialisierten Gesellschaften in anonymen Märkten, in denen viele Anbieter und Nachfrager aufeinander treffen. Muss hier Vertrauen noch eine Rolle spielen? Wir werden im Folgenden argumentieren, dass Vertrauen sehr wohl eine wichtige Voraussetzung zum Funktionieren einer modernen, individualisierten Gesellschaft darstellt.

Vertrauen manifestiert sich in Situationen, in denen sich eine Person dem Risiko aussetzt, von anderen Personen ausgenützt zu werden. Dabei geht es in der Regel nicht um „blindes Vertrauen“, sondern um eine „Risikoabschätzung“, ob das Vertrauen vom Gegenüber, dem vertraut wird, auch honoriert und nicht ausgenützt wird. Im Falle des Vertrauens muss das Gegenüber dann entscheiden, ob das in ihn oder sie gesetzte Vertrauen gerechtfertigt ist oder nicht, d.h. wie vertrauenswürdig er oder sie sich verhält.

Warum sollten wir uns als Sozialwissenschaftler für Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit interessieren? Der Politikwissenschafter Russell Hardin schreibt dazu: “We are concerned with trust and trustworthiness because they enable us to cooperate for mutual benefit. Cooperation is the prior and central concern. […] Trust is merely one reason for confidence in taking coop¬erative risks, and trustworthiness is merely one reason such risks can pay off.” (Hardin 2002, S. 173)

Von ökonomischem Interesse sind also besonders Situationen, in denen durch die vertrauensvolle Handlung zusätzliche Tauschgewinne möglich werden. Unter Reziprozität verstehen wir das vertrauenswürdige Handeln, d.h. das „freundliche“ Erwidern von vertrauensvollen Gesten, insbesondere auch dann, wenn das Eigeninteresse dagegen spricht, wie beispielsweise in einmaligen Situationen. So sind viele Menschen sogar dann bereit, Trinkgeld zu geben, wenn sie genau wissen, dass sie in dieses Restaurant nicht mehr zurückkommen oder dass sie die Leistung des Taxifahrers nicht mehr in Anspruch nehmen werden.

In der Realität sind natürlich viele Interaktionen nicht einmalig, sondern wiederholt oder zumindest von relevanten Dritten beobachtbar. In diesem Fall wird das Verhalten vieler Menschen stark davon abhängen, ob ihr Verhalten Auswirkungen auf ihre Reputation hat. In vollkommen anonymen Situationen kann kein Ruf als vertrauenswürdige Person aufgebaut werden. Sobald jedoch das eigene Verhalten in Vertrauenssituationen von anderen beobachtet werden kann, ergibt sich ein Anreiz, sich vertrauenswürdig zu verhalten. Dadurch kann eine Reputation als vertrauenswürdige Person erlangt werden. Dies kann von großem Nutzen sein, da einem Menschen mit einer vertrauenswürdigen Reputation eher vertraut wird. Die Möglichkeit der Reputationsbildung ist daher ein Mechanismus, der die Entstehung von kooperativen Vertrauensgleichgewichten begünstigt. Im zweiten Abschnitt befassen wir uns mit der Frage nach der Messbarkeit von Vertrauen. Dabei werden zwei verschiedene Ansätze diskutiert, die Umfragemethode und die experimentelle Methode. Im dritten Abschnitt problematisieren wir die Aussagekraft der beiden Messmethoden. Im vierten Abschnitt diskutieren wir die mikro- und makroökonomische Bedeutung von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit. Im letzten Abschnitt fassen wir unsere Argumente zusammen und schließen unseren Beitrag mit einigen Bemerkungen zur ökonomischen Bedeutung von Vertrauen und „Sozialkapital“ ab.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Reputation und Vertrauen
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Reputation und Vertrauen
the authors
Prof. Dr. Simon Gächter

Professor of Economics, Chair of Psychology of Economic Decision Making, University of Nottingham, UK. Arbeitsschwerpunkte: Verhaltensökonomische Ansätze, ökonomische Psychologie, experimentelle Wirtschaftsforschung, Organisations- und Anreiztheorie, Kooperationsverhalten.

[weitere Titel]
Christian Thöni

Doktorand an der Universität St. Gallen. Arbeitsschwerpunkte: Experimentelle Wirtschaftsforschung, Soziale Interaktionen, Kooperationsverhalten, Spieltheorie.

[weitere Titel]