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Friday, April 19, 2019
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Von Löwe bis Leontief

Pioniere der Konjunkturforschung am Kieler Institut für Weltwirtschaft

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 15

544 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-300-8 (Dezember 2000 )

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Die 1926 von Adolf Löwe am Institut für Weltwirtschaft in Kiel gegründete Forschungsgruppe gehörte zu den interessantesten und innovativsten Ökonomen-Teams der Weimarer Republik. Da sie Konjunkturtheorien empirisch überprüften, zählen die Kieler Ökonomen zu den Pionieren der Konjunkturforschung in Deutschland. Erstaunlich ist, dass die Anfänge der Verbindung theoretischer und empirischer Forschung in der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre verbunden sind mit einer aus heutiger Sicht längst widerlegten marxistischen Konjunkturtheorie. Löwe war Anhänger der damals sehr populären Konjunkturtheorie Rosa Luxemburgs. Dennoch hielten die »Kieler« die Marktwirtschaft - trotz aller Kritik - für an und für sich funktionsfähig. Wenn die Marktwirtschaft im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft reguliert werde, d.h. insbesondere die Ausschaltung der Monopole und die Milderung der Konjunkturschwankungen durch »Bändigung« des technischen Fortschritts, dann sei die Marktwirtschaft überlebensfähig. In diesem Sinne zählen die »Kieler« auch zu den Vorläufern der Idee einer sozialen Marktwirtschaft.

Nicht zuletzt wird das Schicksal der Kieler Forschungsgruppe beschrieben, die ein Opfer der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde. Da viele Mitglieder der Gruppe entweder Juden und/oder Sozialdemokraten waren, gehörten sie nach 1933 zu den ersten Verfolgten des Nazi-Regimes. Das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« bedeutete auch für viele Kieler Ökonomen das Ende der wissenschaftlichen Laufbahn in Deutschland. Die Mehrzahl emigrierte und überlebte so die spätere Massenvernichtung durch die Nationalsozialisten. Die deutsche Volkswirtschaftslehre hätte nach 1945 ein höheres Niveau gehabt und noch mehr zur Lösung volkswirtschaftlicher Probleme beitragen können, wenn die Kieler Ökonomen nicht vertrieben worden wären.

Kyklos, 3/2002 ()

"Als Resumee bleibt festzuhalten, dass diese Arbeit in ihrer Vollständigkeit und Genauigkeit in der Behandlung des Themas schwerlich zu überteffen sein wird. Auch wenn in mancher Hinsicht ein engere Verknüpfung mit anderen Strömungen in der deutschen Nationalökonomie jener Zeit eine vertiefte Einsicht versprochen hätte, muss solche Kritik angesichts der ohnehin beträchtlichen Breite des Werkes gerechterweise verstummen. Insgesamt handelt es sich somit bei der vorliegenden Studie um ein Ergebnis 'deutschen Gelehrtenfleisses' - im besten Sinne des Wortes -, an dem niemand, der an der Arbeit der Kieler Ökonomen oder allgemein an der deutschen Nationalökonomie der Zwischenkriegszeit interessiert ist, in Hinkunft wird vorbeigehen können."

Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 222/3 2002, S. 394-395 ()

"... Die Bedeutung der Kieler Gruppe für die deutschsprachige Ökonomie wird von Beckmann alles in allem skeptisch beurteilt: 'Die heutige deutsche Volkswirtschaftslehre kennt nicht einen einzigen Bereich, in dem sie sich auf die Lehren der Kieler ASTWIK Ökonomen beruft.' (S. 460). Als eine Ursache hierfür erkennt Beckmann den durch das Nazi Regime ausgelösten 'Brain-Drain'. Dieser schwere Einschnitt wurde für die deutsche Volkswirtschaftslehre insgesamt bereits mehrfach dokumentiert. Darüber hinaus verweist Beckmann bei der Analyse des nur beschränkten Einflusses der Kieler auch auf Gründe, die in den Forschungen der Kieler Ökonomen selbst begründet sind. So verweist er darauf, dass die Gruppe zwar die Diskussion über die Notwendigkeit einer dynamischen Konjunkturtheorie mit angestoßen hatten, letztlich aber ein eigenes System, das diesem Anspruch genügt hätte, nicht präsentieren konnten.

Die genannten Punkte könnten den Eindruck erwecken, Beckmann ginge es um eine Kritik der wissenschaftlichen Leistungen der Kieler Gruppe oder gar darum, ihr Ansehen zu relativieren. Dieser Eindruck wäre indessen völlig falsch, er liefe den erkennbaren Intentionen des Autors sogar völlig zuwider. Die Darstellung zeigt großen Respekt vor der wissenschaftlichen Lebensleistung der Ökonomen. Gerade seine sachliche und differenzierende Analyse ist geeignet, bei heutigen in der Konjunkturforschung arbeitenden Ökonomen Interesse an den Arbeiten der Forscher zu wecken. Beckmanns Darstellung ist aus Sicht der heutigen Konjunkturdiskussion auch lesenwert, weil sie verdeutlicht, wie wenig die Forschungsprogramme der Kieler Gruppe als eingelöst gelten können. So hat die nationalökonomische Zunft auch heute keinen Konsens über die den Zyklus treibenden Kräfte; die von den Kielern erwogenen Faktoren stehen nach wie vor auf der Agenda der Forschung. Die Bedeutung des technischen Fortschritts für die Konjunktur ist weiter ebenso umstritten wie die Rolle monetärer Faktoren. Unterschiedliche Einschätzungen des Verhältnisses zwischen allgemeiner Gleichgewichtstheorie und Konjunkturzyklus bilden nach wie vor den Kern vieler makroökonomischer Kontroversen." ...



Historische Zeitschrift 2003, S. 502-503 ()

"... Es ist sehr erfreulich, daß der Autor die oft in der Literatur anzutreffende Schwarzweißmalerei (verstaubter Historismus versus Theorie) nicht teilt und statt dessen die synthetisierende Absicht der AstwikGruppe detailliert und hermeneutisch feinfühlig nachzeichnet, aber auch vor klaren Urteilen (Scheitern des Entwurfs einer geschlossenen alternativen Konjunkturtheorie) nicht zurückschreckt. Er hebt Gemeinsamkeiten der Astwik Forscher hervor (Löwe, Colm und Neisser als ,deutsche Ricardianer'), er begründet aber auch, warum von einer Kieler Schule insgesamt nicht die Rede sein könne. Die auf mehreren Ebenen angelegte Arbeit (ideengeschichtliche Wurzeln, Institutsgeschichte, Forschungsmethoden und schwerpunkte und ihre theoriegeschichtliche Bedeutung) empfiehlt sich nachdrücklich auch für interessierte (Wirtschafts )Historiker."


the author
Dr. Ulf Beckmann
Jg. 1964, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Prüfungsamtes des Departments Wirtschaftswissenschaften der Universität Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des ökonomischen Denkens, Konjunkturtheorie. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Als Resumee bleibt festzuhalten, dass diese Arbeit in ihrer Vollständigkeit und Genauigkeit in der Behandlung des Themas schwerlich zu überteffen sein wird." ...
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  • "Beckmanns Darstellung ist aus Sicht der heutigen Konjunkturdiskussion auch lesenwert, weil sie verdeutlicht, wie wenig die Forschungsprogramme der Kieler Gruppe als eingelöst gelten können."
    Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 222/3 2002, S. 394-395 mehr...
  • ... empfiehlt sich nachdrücklich auch für interessierte (Wirtschafts )Historiker." ...
    Historische Zeitschrift 2003, S. 502-503 mehr...
  • Zeitschrift für Ganzheitsforschung, IV/2003, S. 211-213
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