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Wachstum, Beschäftigung und schöpferische Zerstörung
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Wachstum, Beschäftigung und schöpferische Zerstörung

Zum Verhältnis von Arbeitslosigkeit und Wachstum in neueren Modellen der Wachstumstheorie

19 Seiten · 3,52 EUR
(06. Februar 2007)

 
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Resümee:

Ein Resümee bietet sich an. Die Annahme eines positiven Trade-Offs zwischen Wachstum und Beschäftigung gehört zum Standardrepertoire wirtschaftspolitischer Einsichten. So heißt es denn stellvertretend für diese Auffassung im Jahresgutachten 1994/95 des Sachverständigenrates (SVR 94, Zi. 423), das Produktivitätswachstum mindere allenfalls den Beschäftigungseffekt des Wachstums, hebe ihn jedoch nicht auf. Man dürfe nicht von einer gegebenen Produktion ausgehen, sondern von einer steigenden im Zuge des steigenden Einkommens durch technischen Wandel. Der Saldo sei somit insgesamt positiv.

Dass die Sache komplizierter ist, Beschäftigungsschwellen des Wachstums existieren, ist empirisch inzwischen genau so sicher. Wachstum ist gleichbedeutend mit einer Reallokation von Arbeitskräften. Die steady-state-Analyse auf der Grundlage der Modelle von Aghion/Howitt und Pissarides machen deutlich, dass ein Wachstum in der Form eines Schumpeterschen technischen Fortschritts in seinen zerstörerischen Ausmaßen durch die Schöpfung hinreichend neuen Kapitals kompensiert werden muss. Auf die wachstumspolitische Option kommt keine leichte Aufgabe zu, muss sie doch Beschäftigungsschwellen identifizieren, unterhalb derer Wachstum Arbeitslosigkeit schafft und oberhalb derer Wachstum neue Beschäftigung produziert.

Insbesondere Volkswirtschaften mit hoher Arbeitslosigkeit und nur geringen Wachstumsraten stehen dann vor dem Problem, wie sie die Wachstumspolitik in den Dienst der Vollbeschäftigung stellen können. Wenn sich das Wachstum rasch beschleunigt, sind positive Nettoeffekte auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten. Eine nur zögernde, schwach dosierte Wachstumspolitik läuft hingegen Gefahr, in einem negativen Trade-Off stecken zu bleiben, d.h. im Verhältnis zur Arbeitslosigkeit zu viele Rationalisierungs- und zu wenige Erweiterungsinvestitionen mit neuen Arbeitsplätzen zu induzieren.

Wenn auch, wie die theoretischen Überlegungen gezeigt haben, die Innovationsaktivitäten der Unternehmen die treibende Kraft sind, die, verbunden mit einem Suchmodell des Arbeitsmarktes, die Janusköpfigkeit des Wachstums in bezug auf die Beschäftigung demonstrieren, so bleiben dennoch einige Unvollkommenheiten in der theoretischen Verortung von Beschäftigung und Wachstum. Festzuhalten ist insbesondere, dass Arbeit nur in fest vorgegebenem Umfang pro Unternehmen zugelassen wird. Ebenso bleiben unternehmensspezifische Lohnbildungsprozesse außen vor, genauso wie Aussagen über Heterogenität der Arbeit. Zumindest könnten Lohnrigiditäten, Mindest- und Effizienzlöhne zusätzliche Ursachen für das Ausmaß technologischer Arbeitslosigkeit bilden. Das Arbeitsmarktmodell unterstellt homogene Arbeitskräfte, denen angesichts steigender produktivitätsbestimmter Löhne nicht bloß das Schicksal der Arbeitslosigkeit durch Betriebsstilllegungen beschieden ist, sondern genausogut mit einem geringeren Volumen von Arbeitsstunden nachgefragt werden könnten, es sei denn man unterstellt, wie in dem Modell angedeutet, fixe technologische Koeffizienten. Ansonsten wären weder der Wettbewerbsprozess noch die Gewinnmaximierungsregel der Produzenten in der Lage, herauszufinden, welche Arbeiter denn zu entlassen sind, wenn sie doch alle gleich leistungsfähig sind. Was daraus folgt, liegt auf der Hand: Wachstum, technischer Fortschritt und Arbeitslosigkeit müssen von einer Heterogenität der Arbeit ausgehen. Die Verdrängung unqualifizierter durch qualifizierte Arbeit auf der einen Seite und die Reduzierung von Arbeitszeiten auf der anderen Seite sind die sichtbarsten Zeichen der Wechselwirkungen zwischen Güter- und Faktormärkten im Wachstumsprozess.

Welche wirtschaftspolitische Botschaft sie enthalten, liegt gleichfalls auf der Hand: Ein qualifiziertes Humankapital ist nicht nur Quelle eines endogenen Wachstumsprozesses mit steigenden Skalenerträgen, sondern zugleich auch der nachhaltigste Schutz gegen seine Entwertung – gegen die zerstörerischen Wirkungen der Wachstumsdynamik.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Weniger Arbeitslose – aber wie?
Detlev Ehrig, Peter Kalmbach (Hg.):
Weniger Arbeitslose – aber wie?
the author
Dr. Detlev Ehrig
Detlev Ehrig

Institut für Konjunktur- und Strukturforschung der Universität Bremen. Seit 1983 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studiengang Wirtschaftswissenschaften.

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