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Was bleibt von Marx' ökonomischer Theorie?
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Was bleibt von Marx' ökonomischer Theorie?

31 Seiten · 3,60 EUR
(28. August 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Die mitunter recht aufgeregte Debatte um die Marxsche Theorie und ihre Kritik, an der auch Karl Georg Zinn mit einer wichtigen Monographie zur Arbeitswerttheorie teilgenommen hat, ist nach ihrem Höhepunkt in den späten 60er und den frühen 70er Jahren in der Zwischenzeit weitgehend, aber zum Glück doch nicht vollständig, einem postmodernen Dornröschenschlaf gewichen. Nicht nur als Kasseler Hochschullehrer, der aus der Nordhessenmetropole auf den Reinhardswald und die darin versteckte Sababurg, das sagenhafte Schloß der verwunschenen Prinzessin, blicken kann, sondern auch als einer der Teilnehmer der damaligen Diskussionen möchte ich mich nunmehr erneut dieser Thematik zuwenden ? sicherlich nicht als tapferer Märchenprinz, der die verwunschene Schöne (also die Marxsche Theorie) aus ihrem derzeitigen Dauerschlaf wieder ins muntere Leben küßt, aber auch nicht als verbitterter Koch, der noch immer im Traum jener Ohrfeige für den Küchenjungen nachtrauert, die dem bösen Zauber postmoderner Beliebigkeit zum Opfer gefallen ist und noch immer der Vollendung harrt.

Heute, ein gutes Vierteljahrhundert später, möchte ich vielmehr einige Ansatzpunkte aufzeigen, von denen aus nach meiner Einschätzung eine künftige sozialwissenschaftliche und philosophische Forschung, befreit von dogmatischen Vorgaben aus der Marxschen Denktradition selbst, aber auch von Rechtfertigungs- und Widerlegungszwängen, wie sie zur Zeit und im Zeichen des Kalten Krieges endemisch waren, wesentliche theoretische Einsichten und auch praktische Gestaltungshinweise gewinnen und ableiten kann. Eine derartig marxistisch inspirierte Sozialwissenschaft wird sich allerdings von den meisten der bisher real existierenden Varianten marxistischer Theoriebildung und Theorieentwicklung deutlich unterscheiden müssen. Dazu gehört nicht zuletzt, daß die über 100 Jahre währende dominante Konzentration marxistischer Theorie auf hermeneutisch-exegetische Übungen vom Typ ?Was Marx wirklich meinte? oder ?Was Marx hätte meinen sollen? einem offeneren und damit produktiveren Umgang mit seinem reichhaltigen Erbe weichen sollte, wie ihn in der ökonomischen Wissenschaft beispielhaft Joseph A. Schumpeter, John E. Roemer und andere bereits bewiesen haben. Insbesondere wird eine zukunftsfähige marxistisch inspirierte Sozialwissenschaft, die mehr anstrebt als eine begriffsontologische Innensicht der Gesellschaft, die bisher vielfältig praktizierten Versuche aufgeben müssen, die theoretische Inadäquanz und die empirische Falsifikation vieler ? keineswegs aller ? Marxscher Theorieansätze zu vernebeln, ja zu verschweigen und diese mit unklaren, oft nebulösen Begriffsbildungen, häufigen Adhoc-Interpretationen und -Erklärungen oder auch mit dem generellen Verweis auf die ?Dynamik? und ?Dialektik? gesellschaftlicher Entwicklung gegen Kritik und allfällige Widerlegung ? und damit natürlich, wenn auch ungewollt, zugleich gegen eine mögliche Außenwirkung ? immunisieren zu wollen. Die Marxsche Theorie würde so zu einem ebenso kritikresistenten wie nach außen weitgehend wirkungslosen4 Sprachspiel unter ?Eingeweihten? verkommen und damit ihres wirklichen kritischen Potentials beraubt, das sie weiterhin besitzt: Sie vermittelt nämlich, wie ich anhand einiger exemplarischer Ansatzpunkte deutlich machen möchte, bei all ihren unbestreitbaren Mängeln und Engführungen auch heute noch so viele bedeutende Einsichten in die Struktur und Funktionsweise marktwirtschaftlicher Gesellschaften ? und damit wichtige Anregungen sowohl für die sozialwissenschaftliche Analyse wie auch für die gesellschaftspolitische Gestaltung ?, daß es wirklich jammerschade wäre, wenn sie nur noch als empirischer Überprüfung und logischer Konsistenz letztlich nicht mehr bedürftige Geheimlehre im Kreise der Getreuen tradiert würde.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Wohlstand der Personen
Fritz Helmedag, Norbert Reuter (Hg.):
Der Wohlstand der Personen
the author
Prof. Dr. Hans G. Nutzinger
Hans G. Nutzinger

vertritt das Fachgebiet Theorie öffentlicher und privater Unternehmen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel. Von 2000-2003 Fellow am Max Weber Kolleg der Universität Erfurt.

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