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Tuesday, June 18, 2019
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Was genau bedeutet eigentlich
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Was genau bedeutet eigentlich "Marktführerschaft"?

12 Seiten · 3,44 EUR
(April 2013)

 
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Problemstellung:

Im Februar 2011 vermeldete die deutsche Mineralölgesellschaft Aral via Internet stolz, sie habe im Jahr 2010 trotz scharfen Wettbewerbs ihre Marktführerschaft auf dem deutschen Tankstellenmarkt erfolgreich verteidigt und nannte als Beleg dafür einen am gesamten Kraftstoffabsatz gemessenen Marktanteil von rund 25 %. Der Begriff der Marktführerschaft erscheint auf den ersten Blick so eindeutig, dass er nicht einmal eines eigenständigen Artikels in einem der führenden wirtschaftswissenschaftlichen Lexika wert ist. Marktführer ist nach allgemeinem Verständnis das Unternehmen, das von allen Anbietern auf dem betrachteten Markt den höchsten Marktanteil besitzt. Diskutabel scheint dabei lediglich zu sein, ob man sich bei der Marktanteilsermittlung am Absatz oder am Umsatz orientiert. In beiden Fällen ist der Marktanteil relativ leicht messbar, ohne dass detaillierte betriebsinterne Kenntnisse notwendig wären.

Aber selbst wenn Marktführerschaft zunächst als die Marktstellung eines Unternehmens definiert wird, dürfte unstrittig sein, dass diesem Unternehmen dann eine besondere Rolle am Markt zufällt. Die Konkurrenten werden sich nämlich oft an der Preissetzung, an technischen Standards, an Werbung, Serviceleistungen, etc., kurz: am Verhalten des Marktführers orientieren und ihr eigenes Verhalten dem des Marktführers anpassen. So wird etwa in einem der wenigen (Online-) Nachschlagewerke, denen der Begriff Marktführerschaft ein eigenes Stichwort wert ist, formuliert: "Der Marktführer ist für viele Anbieter […] eine wichtige Orientierungsgröße bei der Gestaltung ihrer Unternehmenspolitik und Marktbearbeitung«. Weiß der Marktführer um dieses Verhalten seiner Konkurrenten, kann er dieses Wissen für seine eigenen Planungen nutzen. Er betreibt dann – um in der Terminologie Alfred E. Otts zu sprechen – eine "Überlegenheitsstrategie". Daraus folgt, dass eine Marktführerschaft bzw. deren Ausübung auch als eine bestimmte wirtschaftliche Verhaltensweise auf einem Markt verstanden werden kann. Es stellt sich demnach die Frage, ob ein Unternehmen aufgrund seines Marktanteils oder aufgrund seines Verhaltens als Marktführer zu bezeichnen ist, oder ob beides untrennbar zusammengehört. Dies mag manchen Leser – insbesondere Wissenschaftler, deren akademischer Lehrer Alfred E. Ott war – an dessen Disput mit Erich Schneider erinnern, ob eine bestimmte Marktform ein bestimmtes Verhalten bedinge oder nicht. Dieser Frage nachzugehen, lohnt sich aber nicht nur aus markt- bzw. preistheoretischer, sondern auch aus wettbewerbspolitischer Sicht.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Zur Zukunft des Wettbewerbs
Harald Enke, Adolf Wagner (Hg.):
Zur Zukunft des Wettbewerbs