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Werner Sombart in Rußland

Ein vergessenes Kapitel seiner Lebens- und Wirkungsgeschichte

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 19

158 Seiten ·  22,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-438-3 (Januar 2004 )

 
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Das Interesse an dem Ökonomen, Soziologen und Wirtschaftshistoriker Werner Sombart ist wieder erwacht. Obwohl in den letzten Jahren sowohl seine Biographie als auch sein Werk umfassend untersucht worden sind, ist seine russische Wirkungsgeschichte weitgehend unbekannt geblieben. Dabei gehörte er nicht nur für vier Jahrzehnte zu den in Russland meistgelesenen ausländischen Gelehrten, sondern unternahm auch im Frühjahr 1914 eine vielbeachtete Vortragsreise durch weite Teile des Zarenreichs. Zweynert und Riniker haben sich im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes zum deutsch-russischen Wissenstransfer in der Volkswirtschaftslehre des Themas "Sombart in Russland" angenommen. Ihre Quellenstudien in Russland waren so ergiebig, dass sich Herausgeber und Verleger entschlossen haben, die Ergebnisse nicht in dem Projektband "Deutsche und russische Ökonomen im Dialog – Wissenstransfer in historischer Perspektive" zu integrieren, sondern als selbständige Schrift zu publizieren.

Die Autoren analysieren Schritt für Schritt die verschiedenen Phasen der russischen Sombart-Rezeption. So war es bis zur ersten Russischen Revolution 1905 der junge Sozialist Sombart, auf den sich die russischen Marxisten – einschließlich Lenin – in ihrer Auseinandersetzung mit den sogenannten Volkstümlern beriefen. In der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg diskutierte man in der russischen Publizistik – auch unter dem Eindruck seiner in verschiedenen Städten des Landes gehaltenen Vorträge über "Liebe und Kapitalismus" und "Die Juden und das Wirtschaftsleben der Völker" – intensiv über seine Thesen zur Genese des Kapitalismus wie auch über seine Person, während er in dem Wirtschaftshistoriker Pawel Ljaschenko seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Interpreten fand. Hatten Sombarts Schriften in den frühen zwanziger Jahren noch zur Pflichtlektüre des kommunistischen Kadernachwuchses gehört, wurde er im stalinistischen Russland zu einer persona non grata.

Im Anhang der Studie kommt schließlich Sombart selbst zu Wort: In zwei großen Artikeln für das "Berliner Tageblatt" berichtete er über seine russischen Reiseeindrücke. Beide Texte, die in keiner Sombart-Bibliographie verzeichnet sind, werden in diesem Band erstmals nachgedruckt, ebenso – in deutscher Übersetzung – ein Grußwort Sombarts an die russische Öffentlichkeit und neun Interviews mit ihm, die während seiner Reise in der russischen Tagespresse erschienen sind. Abgerundet wird der Band durch eine vollständige Bibliographie der ins Russische übersetzten Schriften Sombarts.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006 ()

"...Im Fazit widersprechen die Autoren Gustav Schmollers Auffassung, der in Sombarts Frühwerk eine 'einzige Verherrlichung' des Kapitalismus sah. Bereits der junge Sombart sei ein entschiedener Antikapitalist gewesen und habe sich eine 'Neubildung ganz neuer Gemeinschaftsformen auf kommunistischer Grundlage' ... erhofft. Doch diese Hoffnung habe er nach der Jahrhundertwende aufgegeben und sei vom sozialistischen zum romantischen Antikapitalismus übergewechselt."

Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) ()

"Das sechste Kapitel fasst die Ergebnisse der Studie zusammen. Die Autoren betonen nochmals, dass man den 'jungen' Sombart, der sich an Marx orientiert habe, von dem 'späten' Sombart unterscheiden müsse, der kompromisslos gefordert habe, das Wirtschaften dem Primat der Politik unterzuordnen. ... Sombarts zentrales Problem habe darin bestanden zu ermitteln, 'wie man der kapitalistischen Zersplitterung der Gesellschaft entgegenwirken könne' (S. 97). Die Autoren weisen schließlich auf eine entscheidende Parallele zwischen dem russsischen und deutschen ökonomischen Denken im 19. und frühen 20. Jahrhundert hin: den auf einem holistischen Gesellschaftsideal beruhenden Anti-Kapitalismus. In dieser Tradition stehe auch Werner Sombart. Sie führe die These vom deutschen Sonderweg in der Nationalökonomie ad absurdum (S. 98). ...

"Auf das Ganze gesehen ist die Studie ein Ergebnis sorgfältiger internationaler, auf den Transfer historischen Wissens ausgerichteter Forschungskooperation. Zugleich ist sie mehr als ein Nebenergebnis eines breiteren Forschungsprojektes. ... Es informiert über die Rahmenbedingungen und ergänzt viele Abschnitte der hier besprochenen Studie [Zweynerts 'Geschichte des ökonomischen Denkens in Rußland']. Sie erweist sich insgesamt betrachtet als sehr informativ, spannend und anregend, im Besonderen angesichts der (wieder) expandierenden deutsch-russischen Beziehungen in Wirtschaft, Politik und Kultur."

European Journal of the History of Economic Thought , Heft 4, 2004, S. 654-658 ()

Summarizing, the study is a testimony of careful, efficient international research cooperation, focused on the transfer of knowledge in an historical perspective. It is more than a side effect of broader research.


the authors
Prof. Dr. Joachim Zweynert
Joachim Zweynert Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Professur für Internationale Politische Ökonomie Universität Witten/Herdecke [weitere Titel]
Prof. Dr. Werner Sombart
Werner Sombart (1863-1941). Nachdem mehrere Berufungen scheitern (Sombart gilt als Sozialist und Hoffungsträger der Sozialdemokratie) 1906 Berufung an die Handelhochschule Berlin, 1917 an die Berliner Universität. 1932 letzter Vorsitzender des Vereins für Sozialpolitik. In den 20er Jahren wandelt sich Sombart zum Anhänger der Konservativen Revolution, dann des Nationalsozialismus, gerät aber auch hier bald ins Abseits. [weitere Titel]
Daniel Riniker
Jg. 1970, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Slavistik der Ruhr-Universität Bochum. Forschungsschwerpunkte: Exilliteratur, russische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, Textologie. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • SEER, 85, 1, 2007, pp. 160-161
  • "Bereits der junge Sombart sei ein entschiedener Antikapitalist gewesen" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2006 mehr...
  • "Sie erweist sich insgesamt betrachtet als sehr informativ, spannend und anregend, im Besonderen angesichts der (wieder) expandierenden deutsch-russischen Beziehungen in Wirtschaft, Politik und Kultur." ...
    Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) mehr...
  • European Journal of the History of Economic Thought , Heft 4, 2004, S. 654-658 mehr...
  • Wirtschaft und Gesellschaft, 2/2004, S. 299-302
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