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Wednesday, July 17, 2019
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Whistleblowing gegen den Herdentrieb?
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Whistleblowing gegen den Herdentrieb?

Zur Prävention sozialer Ansteckungsprozesse in Finanzmärkten

10 Seiten · 3,07 EUR
(Mai 2014)

 
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Aus der Einleitung:

Whistle-blowing  mit dem Anglizismus kommt ein Verhalten, das in Deutschland gern als Denunziantentum missbilligt wird, aus seiner Schmuddelecke heraus und wird zur Bürgertugend nobilitiert. Selbst die Arbeitsgerichte, die Whistle-blowing, mit dem ein Angestellter Missstände oder Rechtsverstöße in seinem Unternehmen öffentlich macht, in der Vergangenheit oft als eine Verletzung der Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber qualifizierten und die Kündigung zuließen, bequemen sich allmählich dazu umzudenken. Whistleblowing gilt heute als einer der wichtigsten Transmissionsriemen, mit dem gesellschaftliche Werte trotz ökonomisch rationalem Verhalten ("self-interest seeking with guile", so Williamson 1975) in das Wirtschaftssystem transportiert werden. In Situationen, in denen im Unternehmen niemand es wagt, gegen unmoralische oder rechtswidrige Praktiken offen zu protestieren, entfaltet Whistleblowing seine Wirkungen. Seine zunehmende gesellschaftliche Wertschätzung liegt darin begründet, die Bürgertugenden Dissens, Protest, Opposition und Zivilcourage gegenüber der lähmenden Atmosphäre von Unternehmenshierarchien und gegenüber Konformitätspressionen der Märkte zu stärken. Jüngst ist dann auch der Vorschlag gemacht worden, als wirksames Mittel gegen das Herdenverhalten in Finanzmärkten, das massenhaft katastrophale Fehlentscheidungen produziert hat, das Whistleblowing durch institutionelle Maßnahmen systematisch zu stärken. Die prohibitiven Kosten für den einzelnen Akteur, sich dem Herdenverhalten zu entziehen, machten es plausibel, wie schwierig es ist, öffentlich gegen rechts- und moralwidrige Unternehmensentscheidungen zu opponieren – ein Befund, der durch empirische Untersuchungen erhärtet wird.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Ökonomie der Werte
Dirk Baecker, Birger P. Priddat (Hg.):
Ökonomie der Werte
the author
Prof. em. Dr. Gunther Teubner
Gunther  Teubner

Professor emeritus für Privatrecht und Rechtssoziologie an der Goethe Universität Frankfurt am Main.