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Dienstag, 23. Oktober 2018
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Wilhelm Röpke und die Konjunkturtheorie im 20. Jahrhundert
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Wilhelm Röpke und die Konjunkturtheorie im 20. Jahrhundert

39 Seiten · 6,34 EUR
(Juni 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Wird heute an Wilhelm Röpkes Wirken erinnert, so steht meist die Zeit der frühen Bundesrepublik im Vordergrund. Sein Plädoyer für eine marktwirtschaftliche Ordnung, seine Bedenken gegenüber einem bürokratischen europäischen Einigungsprozess und seine kritischen Schriften zum Ausbau des Wohlfahrtsstaates und der Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts werden zitiert. Röpke tritt uns in diesen Schriften als konservativer Liberaler entgegen. Dass der junge Röpke in der Zeit der Weltwirtschaftskrise althergebrachte Einsichten in Frage stellte und das Überdenken klassischer wirtschaftspolitischer Grundsätze einforderte, soll im folgenden Beitrag beleuchtet werden. Das Konjunkturverständnis, das er sich in der Zwischenkriegszeit erarbeitet hatte, bildete auch die Grundlage seiner Kritik an der Entwicklung der Makroökonomie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals unzeitgemäß, warf er – aus der Sicht des späten 20. Jahrhunderts – wegweisende Fragen auf. Betrachtet man die neueren Entwicklungen in der makroökonomischen Forschung vor diesem ideengeschichtlichen Hintergrund, wird die Aktualität der vorkeynesianischen Konjunkturtheorie, zu der Röpke beitrug, sichtbar.

Ich beginne mit einem Abriss zur Geschichte der Konjunkturtheorie des 20. Jahrhunderts, dessen Anliegen es ist, Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Theorieentwicklung zu beleuchten. Dazu werden – drastisch vereinfachend – drei Episoden der Theorieentwicklung unterschieden. Die kontinentalen „monetären Konjunkturtheorien“ des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts werden vorgestellt und als ihr zentrales Kennzeichen der intertemporale Analyserahmen herausgearbeitet. Demgegenüber beruhten die theoretischen Überlegungen, auf denen der „Keynesianische Konsens“ der 1940er bis 1960er Jahre aufbaute, auf kurzfristigen bzw. komparativ-statischen Analysen.

Die Diskussion über die mikroökonomische Fundierung dieser Modelle entzündete sich am Vorwurf fehlender verhaltenstheoretischer Begründung der erfassten wirtschaftlichen Entscheidungen und an der als unangemessen herausgestellten Analyse der Erwartungsbildung der Marktteilnehmer. Die in Reaktion auf diese Kritik entwickelten Theorien orientierten sich stark am allgemeinen intertemporalen Gleichgewichtsmodell. Die „Neue Klassik“ des späten 20. Jahrhunderts weist damit einerseits gemeinsame Wurzeln mit der (kontinentalen) vorkeynesianischen Konjunkturtheorie auf, andererseits sind wichtige Unterschiede in der Kapitaltheorie, der Erfassung der Produktionsstruktur und der Analyse monetärer Phänomene zu vermerken.

Röpkes konjunkturtheoretische Beiträge werden in Abschnitt 3 vor diesem Hintergrund vorgestellt, eingeordnet und bewertet. Dabei wird deutlich, dass Röpkes Interesse stets den politikrelevanten Aspekten der Konjunkturtheorie galt: Er stellte in seinen Schriften Bezüge zu den Herausforderungen seiner Zeit her und entwickelte Antworten auf aktuelle Fragen. Zu den methodischen und theoretischen Diskussionen, die einige seiner prominentesten Zeitgenossen führten, entwickelte er keine eigenständigen Ideen. Stattdessen präsentierte er mit der Theorie der sekundären Deflation eine Interpretation der sich selbst verstärkenden Krise der frühen 1930er Jahre und begründete damit die Forderung nach staatlichen Maßnahmen. In Abschnitt 4 werden die Entwicklungen in der makroökonomischen Theorie der darauffolgenden Jahrzehnte aus dem Blickwinkel von Röpkes Werk beleuchtet. Es wird gezeigt, dass Röpke an dem Verständnis makroökonomischer Zusammenhänge festhält, das er in der Auseinandersetzung mit der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum dominierenden monetären Konjunkturtheorie entwickelt hatte. Diese Bezüge in seinen Stellungnahmen zum Keynesianismus und zu seiner Kritik an der Wirtschaftspolitik in der Nachkriegszeit werden herausgearbeitet. Das gewählte Vorgehen erlaubt es einerseits, den Beitrag Röpkes klarer zu konturieren und zu charakterisieren, andererseits wird der Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Konjunkturtheorie im 20. Jahrhundert durch ihre Spiegelung in Röpkes Werk geschärft. Der Artikel schließt in Abschnitt 5 mit einem Ausblick.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Heinz Rieter, Joachim Zweynert (Hg.):
"Wort und Wirkung"
Die Autorin
Prof. Dr. Elisabeth Allgoewer
Elisabeth Allgoewer

Universität Hamburg, Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theoriegeschichte

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