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Sonntag, 19. August 2018
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Wirtschaften mit Darwin – Evolution und Ökonomie
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Wirtschaften mit Darwin – Evolution und Ökonomie

12 Seiten · 2,73 EUR
(Juli 2011)

 
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Aus der Einleitung:

Zu den Verdiensten Charles Darwins gehört die Verabschiedung des tief in unserer Geistesgeschichte verwurzelten typologischen Denkens, dem die Auffassung zugrunde liegt, dass es starre, unwandelbare Typen oder "Wesenheiten" in der Natur gibt. Dieses Denken ist zu einer Ideologie stilisiert worden und dient als Legitimation von Machtansprüchen, welche die tatsächlichen Verhältnisse verschleiern sollen. Politiker übersehen gern, dass "der Staat" auch nur eine abstrakte Kategorie darstellt und bloß die Menschen, die in einem als Staat abgegrenzten Territorium leben, real sind. Aber eine Handlung, die "im Namen des Staates" vollzogen wird, hat etwas gleichsam Sakrales, vergleichbar mit der Handlung von Priestern, die den Willen unsichtbarer Götter exekutieren.

Auch "Wirtschaft" ist eine abstrakte Kategorie, real sind bloß die Menschen, die Wirtschaft betreiben; und in gewissem Sinn tun wir das alle. Daher lautet meine These: "Geht's uns allen gut, geht’s der Wirtschaft gut." Wobei "die Wirtschaft" nichts weiter ist, als die Gesamtheit der Aktivitäten unzähliger Akteure, denen in erster Linie ihr eigenes Wohlergehen am Herzen liegt. Dabei ist dem Individuum sein Recht auf Wertschöpfung zu garantieren (vgl. Riedl 1987). Die Entwicklung ökonomischer Institutionen ist ein Nebeneffekt spezifischer Strategien von Machthabern oder "Staaten" zur Aneignung von Ressourcen für militärische Zwecke (Herrmann-Pillath 1991).

Im Vorfeld dazu ist der Mensch, wie alle Organismenarten, zum individuellen Überleben programmiert, und sein Wirtschaften steht im Dienste seiner Eignung zum Überleben. Darunter ist kein platter Biologismus zu verstehen. Allerdings können wir unser wirtschaftliches Verhalten nicht losgelöst von biologischen Antrieben betrachten. Auch in der Wirtschaftsethik, soll sie nicht bloß Luftschlösser bauen, ist diesen Antrieben Rechnung zu tragen. Gleichzeitig sollten wir längst eingesehen haben, dass der Erfolg unserer Ökonomie von ökologischen Rahmenumständen abhängt. Wir können nicht an der Natur einfach vorbeiwirtschaften. Im Gegensatz zu einer unter Ökonomen lange Zeit verbreiteten Auffassung, wonach wirtschaftliche Optimalität ohne Rücksicht auf natürliche Bedingungen erreicht werden könne, erscheint es notwendig, das Leben in die Ökonomie zurückzubringen (Hodgson 1993), das Primat der physis für ein Verständnis des Wesens der Wirtschaft wieder zu erkennen. Ebenso ist Abschied zu nehmen von dem (neoklassischen) Paradigma, das auf der Überzeugung beruht, der Wirtschaftsprozess sei mit statischen (Gleichgewichts-) Modellen erfassbar.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wirtschaft – Gesellschaft – Natur
Djordje Pinter, Uwe Schubert (Hg.):
Wirtschaft – Gesellschaft – Natur
Der Autor
Prof. Dr. Franz M. Wuketits
Franz M. Wuketits

Lehrt Wissenschaftstheorie mit dem Schwerpunkt Biowissenschaften an der Universität Wien und hat zahlreiche Lehraufträge und Gastprofessuren an anderen Universitäten wahrgenommen. Studium: Zoologie, Paläontologie, Philosophie und Wissenschaftstheorie (1973–1978), Promotion (1978), Habilitation (1980), Univ. Wien. Vorstandsmitglied des Konrad Lorenz Instituts für Evolutions- und Kognitionsforschung in Altenberg a. d. Donau. Österreichischer Staatspreis für wissenschaftliche Publizistik (1982). Beirat mehrerer wissenschaftlicher Institutionen und Gesellschaften. Ordentliches Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.