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Wirtschafts- und Sozialentwicklung Indiens - Gleichklang oder Divergenzen?
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Wirtschafts- und Sozialentwicklung Indiens - Gleichklang oder Divergenzen?

21 Seiten · 4,78 EUR
(30. Oktober 2009)

 
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Aus der Einleitung:

Im letzten Jahrzehnt hat das Image Indiens dank der sichtbaren Erfolge der indischen Softwareindustrie eine erstaunliche Wandlung vom ehemaligen Armenhaus der Welt zur zukünftigen Wirtschafts- und Weltmacht vollzogen. Nach 60 Jahren Unabhängigkeit hat Indien angesichts der seit den 90er Jahren entfalteten Wirtschaftsdynamik und des seither anhaltend hohen Wirtschaftswachstums offenbar seine ihm schon lange zugeschriebenen Wachstumspotenziale entfesseln können. Trotz eines inzwischen schwieriger gewordenen wirtschaftlichen und politischen Umfeldes zählt Indien derzeit zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen weltweit. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ist die Erwartung verknüpft, dass Indien nun endlich die nach wie vor existenten Probleme der Massenarmut verringern kann.

Die Gründe für die neue wirtschaftliche Dynamik sind vielfältig. In erster Linie ist sie der 1991 eingeleiteten neuen Wirtschaftspolitik geschuldet, in deren Zuge die indische Regierung unter der damaligen Führung der Kongresspartei nach einer schweren wirtschaftlichen Krise marktorientierte Reformen in Gang setzte und nach Jahren einer Politik der Importsubstitution begann, die Integration Indiens in die Weltwirtschaft voranzutreiben. Verschiedenen Prognosen zufolge hat Indien mit dem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufstieg letztendlich auch das wirtschaftliche Potenzial, sich zu einer Welt- und Wirtschaftsmacht zu entwickeln und mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen als Global Player, der das politische und wirtschaftliche Weltgeschehen mitbestimmen kann, anerkannt zu werden. Der internationalen Anerkennung als Wirtschaftsmacht steht allerdings entgegen, dass trotz der wirtschaftlichen Erfolge ein erheblicher Teil der indischen Bevölkerung immer noch in Armut lebt und unter miserablen Lebensbedingungen zu leiden hat, obwohl im unabhängigen Indien der Armutsbekämpfung stets höchste entwicklungspolitische Priorität eingeräumt wurde. Die indische Regierung hat angesichts des seit mehreren Jahren anhaltenden Wirtschaftsbooms nun einen wesentlich größeren Spielraum, den Wirtschaftsprozess sozialverträglich zu gestalten und Armut abzubauen.

Sie steht dabei nicht nur aus sozialpolitischen Gründen unter einem erhöhten Handlungsdruck, die Lebensbedingungen besonders der armen Bevölkerungsgruppen zu verbessern. Soll das Image Indiens als Armenhaus der Welt endgültig abgestreift und Indien als Wirtschaftsmacht anerkannt werden, muss Massenarmut nachhaltig abgebaut werden. Darüber hinaus muss die indische Regierung auch der zentralen Herausforderung begegnen, die Wirtschaftsdynamik nicht durch eine zunehmend divergente Sozialentwicklung und damit zunehmende gesellschaftliche Spannungen und Verteilungskonflikte zu gefährden. Schon vor einigen Jahren nannte der Premierminister Manmohan Singh die während des Wirtschaftsbooms zunehmenden sozialen und regionalen Disparitäten und daraus resultierenden sozialen Spannungen als größtes Risiko, das die Wirtschaftsdynamik und letztlich den wirtschaftlichen Aufstieg Indiens gefährden könnte. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Indien die Frage, inwieweit sich im Gleichklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung auch die soziale Lage weiter verbessern lässt und die noch immer weit verbreitete Armut, vor allem in den ländlichen Regionen Indiens bekämpft sowie die schon lange bestehenden sozialen und regionalen Disparitäten im Zuge des Wirtschaftsbooms abgebaut werden können. Für die indische Regierung ist dies nicht zuletzt eine Frage des innenpolitischen Überlebens.

Will sie ihre Mehrheit im Parlament aufrechterhalten und über die Wahlen im Jahr 2009 hinaus sichern, ist sie auf die breite Unterstützung in der Bevölkerung angewiesen. In jüngster Zeit ging die regierende Kongresspartei aus neun von elf Wahlen in indischen Bundesstaaten als Verliererin hervor. Sie steht damit vor der Herausforderung, durch die konsequente Fortsetzung der Reformpolitik den Wirtschaftsboom aufrechtzuerhalten und gleichzeitig Wohlstandseffekte für die gesamte Bevölkerung zu schaffen. Es mehren sich allerdings schon nach wenigen Jahren des wirtschaftlichen Aufstiegs in einem weltwirtschaftlich problematischer gewordenen Umfeld die Zeichen für eine Abschwächung des Wirtschaftsbooms in Indien, welche nicht zuletzt der ungleichen Sozial- und Regionalentwicklung geschuldet ist.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Indien
Michael von Hauff (Hg.):
Indien
the author
Prof. Dr. Beate Bergé

seit 1999 Professorin an der FH Konstanz für den Schwerpunkt Volkswirtschaftslehre im Studiengang Wirtschaftssprachen, Asien und Management, mehrjährige Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Atlanta-Consult, Hamburg und der Gesellschaft für Organisation, Planung und Ausbildung, GOPA in Bad Homburg. Von 1992 bis 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Hochschulassistentin von Prof. Dr. Michael von Hauff am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre/Wirtschaftspolitik der Universität Kaiserslautern.

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