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Wednesday, August 21, 2019
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Wissen, Information und lebendige Arbeit in der Wissensökonomie
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Wissen, Information und lebendige Arbeit in der Wissensökonomie

Reanimation der Dialektik von Gebrauchs- und Tauschwert und Implikationen für die Arbeits- und Industriesoziologie

28 Seiten · 3,73 EUR
(Februar 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Was die Wirtschaft offensichtlich bewegt, führt auch in den sozialwissenschaftlichen Debatten um Wissensökonomie, Wissensgesellschaft und Wissensarbeit zu der – mehr oder weniger explizit und mit höchst unterschiedlichem Tenor in der Positionierung – gestellten Frage, ob unsere bisherigen ökonomischen Kategorien (Ware, Wert, Arbeit usw.) derzeit auf den Kopf gestellt werden. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Frage einer Neubestimmung von Information und Wissen als Ware und Wert: Es wird vom Informationsmarkt und der Kommerzialisierung von Wissen sowie vom Produktionsfaktor Information gesprochen und die Frage nach dem Warencharakter und dem Wert von Information gestellt; das sogenannte Intellectual Capital Management (ICM) zielt auf die In-Wert-Setzung von Intangible Assets wie „Wissen“ zu Intangible Value und die Alfred-Herrhausen-Gesellschaft taxiert den Mensch und sein Wissen als abschreibungsfähigen Wertgegenstand. Aus Sicht der marxistischen Ökonomie besteht schon lange der Verdacht eines Zusammenhangs von computerbasierten Prozessen der Informatisierung und Information als Ware und Wert, so beschwört Kurz schon 1986 angesichts zunehmender Computerisierung eine Krise des Tauschwerts.

Die Frage nach einer Neubestimmung der Kategorien Wert, Ware, Information und (lebendige) Arbeit steht explizit aus politökonomischer Positionierung auch im Mittelpunkt dieses Beitrages und wird in kritischer Auseinandersetzung mit aktuellen, sich auf Marx beziehenden Debatten beleuchtet. Einführend wird eine einseitig reduzierenden Hypostasierung des Immateriellen anhand von Hardt und Negri kritisiert. Ein Rückgriff auf Marx wird zeigen, dass sich insbesondere durch die Informatisierungsprozesse der vergangenen zwei Jahrzehnte zwar die Formen der Aneignung, die Formen der Arbeitsmittel und die Form der Waren sowie die Formen der Produktions- und Zirkulationsprozesse verändert haben. Gleichzeitig bleibt als ökonomische Kontinuität ungebrochen, dass der Wert einer Ware weiterhin durch die Anwendung menschlicher, lebendiger Arbeit zustande kommt – wenn auch partiell, so wird zu zeigen sein, mit umgekehrten Vorzeichen. Geändert hat sich nicht die Quelle der Wertschöpfung, sondern dass diese (eben die lebendige Arbeit) durch die aktuellen Informatisierungsprozesse in neuer Qualität Bedeutung erlangt und sichtbar wird. Mit dieser neuen Sichtbarwerdung kommt es aber weder zwangsläufig zu einer „neuen Ökonomie“ noch im Zuge von immaterieller Arbeit quasi naturwüchsig zu einem „Potenzial für eine Art des spontanen und elementaren Kommunismus“. Um die beschriebenen Prozesse angemessen analytisch-kritisch fassen zu können, bedarf es eines reanimierten dialektischen Blicks auf Tauschwert und Gebrauchswert und deren Anwendung auf die Begriffe von Information und Wissen. In Auseinandersetzung mit Scott Lashs dualistischer Reduktion der Gebrauchs- und Tauschwertdialektik steht dann die ungebrochene Aktualität des Begriffspaares von Gebrauchs- und Tauschwert zur Analyse von Transformationsprozessen rund um Wissen und Information im Mittelpunkt des Beitrages. Dieser aktualisierte dialektische Blick des Verhältnisses von Wissen und Information bildet die analytische Grundlage um nachzuweisen: Mit der zunehmenden Bedeutung von Information (und damit der tauschwertdominierten Seite des Wissens) kommt dialektisch-zwangsläufig genau das wieder zum Vorschein, was verdeckt und verdrängt werden sollte: die Notwendigkeit lebendiger Arbeit und die Gebrauchswertseite von Wissen. Diese These und die Notwendigkeit des dialektischen Blicks auf die Gebrauchswert- und Tauschwertseite lebendiger Arbeit mündet abschließend in die Feststellung: So viel Dialektik war nie! Und ohne einen konsequent dialektischen Blick bleibt die Analyse der Wissensökonomie notwendig einseitig reduzierend. Das schließlich impliziert einige konzeptuelle Hausaufgaben.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wissensökonomie und Innovation
Manfred Moldaschl, Nico Stehr (Hg.):
Wissensökonomie und Innovation
the author
PD Dr. Sabine Pfeiffer
Sabine Pfeiffer

Arbeits- und Industriesoziologin am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF München), Seit 2006 Lehrauftrag am Institut für Soziologie an der Fernuniversität Hagen. Arbeitsgebiete: Kompetenzentwicklung, Informatisierung und Technik, Produktionssysteme, Innovation, Web 2.0 und Projektmanagement.

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