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Zukunftsfähiger Wohlstand - Kommentar aus der Perspektive einer (Wirtschafts-)Wissenschaftlerin
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Zukunftsfähiger Wohlstand - Kommentar aus der Perspektive einer (Wirtschafts-)Wissenschaftlerin

14 Seiten · 3,87 EUR
(05. September 2007)

 
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Aus der Einleitung:

... Die Debatte um Wohlstand im sog. Mainstream der ökonomischen Disziplin behielt die durch Adam Smith vorgegebene Enge bei und formulierte ein ausschließlich auf Marktprozesse gestütztes Wohlstandskonzept, das Wohlstand als bestmögliche Allokation der Waren bzw. der zu ihrer Herstellung nötigen Produktionsfaktoren versteht. Wohlstand wird dabei quantitativ gemessen, als in Geld bewertete Summe von Waren (Güter und Dienstleistungen) ? im Sozialprodukt. Aber neuere Ansätze definieren Wohlstand offener, auch qualitativ und mehrdimensional (z.B. Amartya Sen mit seinem Konzept der ?Verwirklichungschancen?. Insbesondere die feministische Theoriedebatte bezieht die sorgenden Arbeiten als Wohlstand vermehrend ein und fragt nach Bedingungen eines ?guten Lebens?. Hier vereint sie sich mit dem Nachdenken über das ?gute Leben? im philosophischen Diskurs, wie ihn z.B. Martha Nussbaum auf moderne Fragen hin weiterdenkt. Und seit der Vorlage des Brundtland-Berichts 1986 mit seinem Konzept des ?sustainable development?, der nachhaltigen oder zukunftsfähigen Entwicklung, gibt es eine Vielzahl von Vorschlägen für Handlungskonzepte, über die dieses doppelte Gerechtigkeitskonzept (es beinhaltet sowohl die intergenerationale als auch die intra-generationale Gerechtigkeit) gestaltbar gemacht werden soll.

Allerdings ? und hierauf macht das Forschungsprojekt mit seiner Frage nach zukunftsfähigem Wohlstand in der Region aufmerksam ? bleiben die Diskurse zu ?Nachhaltigkeit? und zu ?gutem Leben? oder ?Lebensqualität? merkwürdig getrennt. Meines Erachtens verbirgt sich dahinter die immer noch nicht überwundene Trennung zwischen ?Mensch? und ?Natur?, ?Kultur? und ?Natur?, Sozialem und Ökologischem. Lebensqualität betrifft Menschen, Nachhaltigkeit fordert vor allem einen sorgsamen, sparsamen Umgang mit der Natur ein. Erst in wenigen neueren Konzepten wird diese Trennung von vornherein aufgehoben: z.B. im Konzept ?Gesellschaftliche Naturverhältnisse? oder in der Kategorie (Re)Produktivität.

Wenn im vorliegenden Forschungsbericht Wohlstand also neu betrachtet wird, so geschieht das aus dem Bewusstsein der Unbrauchbarkeit des engen, eindimensionalen herkömmlichen ökonomischen Wohlstandsbegriffs heraus und in der Absicht, die Herausforderungen, die sich aus dessen notwendiger Weitung ergeben, mit den Anforderungen an eine nachhaltige Gesellschaft und ihre Wirtschaftsweise zu verknüpfen. Undes geschieht in sozial-ökologischer Absicht, die im ?Rahmenkonzept sozial-ökologische Forschung? folgendermaßen formuliert wird: ?Ziel der (sozial-ökologischen, A.B.) Forschung ist es, Wissen für gesellschaftliche Handlungskonzepte zu generieren, um die zukünftige Reproduktions- und Entwicklungsfähigkeit der Gesellschaft und ihrer natürlichen Umwelt sichern zu können.?

Sozial-ökologische Forschungen sind damit aufgefordert, sich räumlich und zeitlich zu verorten und ihre Forschungsfragen so einzugrenzen, dass konkrete Handlungskonzepte erarbeitet werden können. Dieses ernst nehmend hat das Forschungsprojekt ?Regionaler Wohlstand neu betrachtet? speziell nach den Wohlstands-Beiträgen in einer Region gefragt, genauer: in der Region Berlin-Brandenburg. Und es hat sich auf eine spezifische Akteursgruppe konzentriert: auf Unternehmen der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft. Was es herausgefunden hat, wurde in den vorhergehenden Kapiteln dokumentiert. Nachstehend geht es um die Beurteilung dieser Ergebnisse: Wie sind sie auf dem oben skizzierten wissenschaftlichen Hintergrund zu bewerten ? und wie ist die theoretisch-konzeptionelle Arbeit einzuschätzen? Und schließlich: Was ist das Sozial-ökologische an dem vorliegenden Forschungsprojekt?


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Zukunftsfähiger Wohlstand
Martina Schäfer (Hg.):
Zukunftsfähiger Wohlstand
the author
Prof. Dr. em. Adelheid Biesecker
Adelheid Biesecker

bis 2004 Professorin für Ökonomische Theorie unter besonderer Berücksichtigung ihrer gesellschaftlichen Entstehungsbedingungen an der Universität Bremen. Seitdem zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte ökonomischer Theorie, Mikroökonomik aus sozial-ökologischer Perspektive, Ökologische Ökonomik, Feministische Ökonomik und Zukunft der Arbeit.

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