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Zum Datenproblem der Evolutorischen Ökonomik
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Zum Datenproblem der Evolutorischen Ökonomik

12 Seiten · 3,46 EUR
(Juni 2011)

 
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Aus der Einleitung:

Wo in der Wirtschaftstheorie von Datengrenzen die Rede ist, vermutet man unwillkürlich eine zu Grunde liegende statische Betrachtung. Da ist der ökonomische Modellbereich klar zu umreißen. Es steht fest, was zur Wirtschaft gehört und es lässt sich angeben, welche äußeren Daten das wirtschaftliche Ergebnis formen. Die Modellösung ermittelt einen Zustand, in dem die endogenen Variablen sich mit den exogenen Daten vertragen. Haben wir es jedoch mit einer evolutorischen Wirtschaft zu tun, so versagt der statische Modellrahmen. Jetzt fragt sich: Wird die Entwicklung durch Änderungen der Daten angestoßen oder treibt die Wirtschaft ihre Entwicklung selbst voran?

Joseph A. Schumpeter (1853?1950) hat verlangt, dass eine theoretische Erklärung der wirtschaftlichen Entwicklung in der Wirtschaft selbst ansetzen muss. Ihm war wohl bewusst, dass Datenänderungen laufend erfolgen und sich auch in Änderungen der Wirtschaft niederschlagen. Diese Wirkungen klammerte er jedoch aus seiner Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung aus. Ohne diese methodisch begründete Einschränkung würde sich die Analyse im Kreise drehen. Es wäre ja ganz ungewöhnlich, wenn die wirtschaftliche Entwicklung nicht umgekehrt auch den Datenkranz verändern würde; selbstverständlich tut sie das, und Schumpeter weist auch darauf hin. Ohne den Ausschluss der datenbedingten Änderungen ergäbe sich folgende geschlossene Verursachungskette: Veränderungen des Datenkranzes verändern die Wirtschaft und die Wirtschaft verändert den Datenkranz. Doch weil die fraglichen Veränderungen ganz unterschiedlicher Art sind, ist der methodische Trick, die eine Art auszuschließen, durchaus gerechtfertigt.

Die Dichotomie von Wirtschaft und Datenkranz ist das Schicksal der statischen Wirtschaftstheorie. Wenn die Wirtschaft einzig darin bestünde, dass dort rational über verfügbare wirtschaftliche Güter disponiert wird, lässt sich der Wirtschaftsraum gewiss klar von seinem sozialen Umfeld abgrenzen. Was nicht zum Wirtschaftsraum gehört, bleibt außen vor. Ein Teil der Außenwelt ist dann als Datenraum zu begreifen, sofern davon die wirtschaftlichen Dispositionen beeinflusst werden. Ob diese Zweiteilung unter anderen analytischen Perspektiven tauglich, insbesondere ob sie in der Evolutorischen Ökonomik hilfreich ist, mag bezweifelt werden. Wir wollen in diesem Beitrag einen anderen Zugang zu dieser Frage wählen. Unser Vorschlag besteht darin, die Wirtschaft nicht als einen Kosmos von Gütern zu begreifen, sondern als einen prozessualen Zusammenhang.

Begreifen wir die Wirtschaft als einen sozialen Prozess, so stellt sich unmittelbar die Vorstellung ein, dass er mit anderen sozialen Prozessen zusammenhängen wird. Viele gesellschaftliche Prozesse spielen sich zugleich ab, sie greifen ineinander, überlagern und durchdringen sich. Ihre individuellen Agenten nehmen typischerweise an mehreren Prozessen zugleich teil. Die prozessual verstandene soziale Umgebung als isolierten Außenraum passiv neben dem Wirtschaftsraum zu stellen, empfiehlt sich jedenfalls nicht. Zivilisatorische, kulturelle und politische Prozesse der sozialen Interaktion haben insbesondere ihren mehr oder weniger unmittelbaren Einfluss auf den wirtschaftlichen Prozess.

Wir behandeln zunächst die methodischen Fragen der erwähnten Dichotomie, wie sie Schumpeter in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (1912) gesehen hat, mit einiger Ausführlichkeit, gelangen dann über seinen Bestseller Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1950/1942) zu seiner etwas verkürzten prozessualen Betrachtung der Wirtschaft. Bei Friedrich A. von Hayek (1899?1992) finden wir erstmals den wirtschaftlichen Wettbewerb unter dem Gesichtspunkt seiner Entdeckungsleistung behandelt. Von diesen Grundlagen ausgehend stellen wir schließlich am Beispiel des prozessualen Zusammenhangs zwischen Wirtschaft und Wissen dar, wie beide Interaktionsbereiche unter dem Aspekt der Evolutorischen Ökonomik miteinander interagieren. Es wird sich zeigen, dass die alte Konstruktion des unabhängigen Datenkranzes unter evolutorischem Aspekt unzweckmäßig ist. Inwiefern die Perspektive interaktiver sozialer Prozesse die fruchtbarere Alternative darstellt, versucht dieser Beitrag zu begründen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Ernst Helmstädter
Ernst Helmstädter

em. Universitätsprofessor an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Forschungsprofessur am Institut Arbeit und Technik des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen. Arbeitsschwerpunkte: Wirtschaftstheorie, Empirische Wirtschaftsforschung, Ordnungspolitik, Evolutorische Ökonomik, Ökonomik des Wissens.

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