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Monday, May 20, 2019
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Zum Verhältnis religiöser und kultureller Traditionen und Wirtschaft in Indien
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Zum Verhältnis religiöser und kultureller Traditionen und Wirtschaft in Indien

52 Seiten · 7,76 EUR
(Januar 2007)

 
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Aus der Einleitung des Herausgebers:

Hans-Joachim Bieber untersucht in seinem Beitrag nicht nur die religiös fundierten sozialen und kulturellen Prägungen des Wirtschaftshandelns, sondern auch, zumindest ansatzweise, die Chancen einer Entwicklung hin zu einer umfassenden Marktwirtschaft, die sich bisher allenfalls in eng begrenzten Sektoren und Regionen dieses Subkontinents beobachten lässt. Dazu stellt er zunächst recht ausführlich die religiösen und gesellschaftlichen Grundvorstellungen des Hinduismus dar. Zentrale Bezugsgröße der Menschen sind die „jatis“, gegenüber anderen „jatis“ streng abgegrenzte umfassende lokale Lebensgemeinschaften. Diese soziale Gliederung führt zu einer ausgeprägten Segmentierung der indischen Gesellschaft, die den Funktionsbedingungen entwickelter Marktwirtschaft nicht gerade förderlich sein dürfte. Deswegen untersucht Bieber am Ende seines Beitrages neuere Entwicklungen, in denen sich ökonomische Funktionsnotwendigkeiten stärker zur Geltung bringen und zu einer Änderung der gesellschaftlichen Beziehungen, insbesondere des überkommenen „Kastensystems“ führen; so kann es langfristig zu einer umfassenden Transformation der gegenwärtig noch sehr heterogenen Elemente wirtschaftlicher Aktivität und Koordination hin zu einem marktwirtschaftlichen Gesamtzusammenhang kommen.

Bieber verweist hierbei auch auf die bisher nur unzureichend ausgeschöpften Modernisierungspotentiale Indiens aufgrund seiner demokratisch-rechtsstaatlichen Verfassung und der entsprechenden politischen Institutionen. Zugleich sieht er aber neue Probleme, wie etwa die Anzeichen dafür, dass im Zuge der kapitalistischen Entwicklung „auch der traditionelle Mangel an gesamtgesellschaftlicher Verantwortung und Solidarität nicht nur weiterwirkt, sondern mit dem Wachstum der ‚Mittelklasse‘ ebenfalls neue Dimensionen angenommen hat und in neuen Erscheinungsformen auftritt“ (S. 232), gepaart mit einem geradezu mörderischen Konkurrenzkampf und der demonstrativen Zurschaustellung von Reichtum, die sogar noch US-amerikanische Verhältnisse zu übertreffen scheint. „Dass eine rationale kapitalistische Wirtschaft nach westlichem Vorbild auch in Indien gedeihen kann, nachdem sie dorthin exportiert wurde“ (S. 237), das zeigt Hans-Joachim Biebers Beitrag ebenso wie die Offenheit, die Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung Indiens hin zu einer Marktwirtschaft. Eine Reihe von Beobachtungen, vor allem im politischen Bereich, sprechen für einen vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der Chancen; zugleich aber stellt sich die Frage, ob eine derartige Entwicklung nicht einer umfassenden Änderung der religiösen Grundlagen bedürfe, wobei die überkommene Segmentation und Hierarchisierung hinduistischer Religions- und Gesellschaftsvorstellungen grundlegend in Frage gestellt werden dürften.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Religion, Werte und Wirtschaft
Hans G. Nutzinger (Hg.):
Religion, Werte und Wirtschaft
the author
Prof. Dr. Hans-Joachim Bieber

em. Prof. für Jüngere Geschichte an der Universität Kassel, Akad. Direktor am Wiss. Zentrum für Kulturforschung der Universität Kassel.

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