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Sunday, May 19, 2019
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Zum Verhältnis von
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Zum Verhältnis von "Macht" und "ökonomischem Gesetz"

54 Seiten · 7,18 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Es ist fast ein Jahrhundert her, dass der österreichische Nationalökonom Eugen von Böhm-Bawerk die maßgeblichen Stichworte für eine Kontroverse geliefert hat, die bis auf den heutigen Tag die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften durchzieht. In seinem berühmten Aufsatz von 1914: ?Macht oder ökonomisches Gesetz?? behandelte er die Frage, ob ?eine Allgewalt natürlicher ökonomischer Gesetze oder aber ein gewillkürter Einfluss gesellschaftlicher Gewalten? die Verteilung der Güter ?regele und beherrsche?. Böhm-Bawerk war klug genug, die Behandlung dieser Frage von vornherein auf die ?hochwichtige Frage der Verteilung der Güter? zu beschränken und nicht das gesamte wirtschaftliche Geschehen ? oder gar die Gesamtheit denkmöglicher gesellschaftlicher Ereignisse und Sachverhalte ? als Bezugspunkt für die Erörterung dieser Frage zu wählen. Unter marktwirtschaftlichen Voraussetzungen entstehen Primäreinkommen ausnahmslos durch den Verkauf von Produktionsfaktoren auf Faktormärkten und den Verkauf selbsterstellter Produkte und Leistungen auf Gütermärkten. Die Preise, die der Erwerber von Faktoren zahlt, sind Einkommen, die an deren Inhaber fließen. Daher ist es von außerordentlicher Bedeutung zu wissen, wie diese Preise determiniert werden. Die ökonomische Klassik und die Neoklassik nehmen an: durch ökonomische Gesetze. Auch wenn die Verteilung der Einkommen der vielleicht ?allerwichtigste Anwendungsfall der allgemeinen Preisgesetze? ist, ändert dies nichts daran, dass sie eben doch ?nur ein Anwendungsfall? dieser Gesetze ist. Die Frage also, mit der sich Böhm-Bawerk beschäftigte, war, ob die Preisbildung im Allgemeinen und damit die Preisbildung auf Faktormärkten im Besonderen durch ökonomische Gesetze oder durch andere Einflüsse beherrscht werden, die er unter dem Sammelbegriff ?Macht? subsumiert.

Aus heutiger Sicht kann man diese Einschränkung der Fragestellung ? die sie unseres Erachtens allererst beantwortbar macht ? gar nicht genug rühmen. Die Preistheorie ist nicht nur das Herzstück der Mikroökonomik, sondern alle mikroökonomischen Fragen sind mehr oder weniger preistheoretische Fragen. Und die Antworten auf alle anderen wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen bauen, falls sie ernst genommen werden wollen, auf mikroökonomischen Grundlagen auf. Insofern ist die Betrachtung der Preisbildung kein spezielles Problem für Anstrengungen, die im Titel des Aufsatzes von Böhm-Bawerk angesprochene Frage zu beantworten, sondern das Grundproblem, dessen Lösung auf alle weiteren Fragestellungen dieser Kontroverse ausstrahlt. Böhm-Bawerk lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass ?soziale Kategorien? ? er entnimmt diesen Ausdruck dem Schrifttum von Rudolf Stolzmann, welches der unmittelbare Anlass für seinen Aufsatz war ? einen erheblichen Einfluss auf die Preisbildung nehmen: ?Nicht das kann heute die Frage sein? ? schreibt er ? ?ob die ?natürlichen? oder ?rein ökonomischen Kategorien? einerseits und die ?sozialen Kategorien? andrerseits überhaupt einen Einfluß auf die Verteilungsgesetze ausüben; denn dass alle beide dies tun, steht für jeden Verständigen von vornherein außer Frage?. Die Frage kann nur sein, ?wie viel Einfluß sie ausüben?, also ?Art und Maß? des Einflusses beider Größen abzuschätzen. ?Dieses Kapitel der Sozialökonomie ist noch nicht befriedigend geschrieben worden?.

Eine Einleitung in eine Sammlung von Aufsätzen, die sich mit verschiedenen Facetten dieser Kontroverse beschäftigen, wäre restlos überfordert, wenn von ihr verlangt würde, dieses immer noch nicht geschriebene Kapitel nachzuliefern. Wir beschränken uns daher im Folgenden darauf, das Terrain für ein Weiterkommen in dieser Frage zu sondieren. Wir beginnen damit, die Antwort, die Böhm-Bawerk auf die von ihm aufgeworfene Frage gab, zu skizzieren (II). Im Anschluss daran betrachten wir eine wichtige Etappe der Diskussion dieser Frage in der deutschsprachigen Ökonomik, die Tagung des Vereins für Socialpolitik im Jahr 1972. Allerdings greifen wir aus der Vielzahl der Beiträge nur einen einzigen heraus, den von Winfried Vogt (III). Der Grund hierfür liegt nicht allein in der Rolle Winfried Vogts für den Arbeitskreis Politische Ökonomie, dem fast alle Autoren dieses Bandes angehören, sondern vor allem darin, dass dieser Beitrag wie kein anderer eine diametrale Gegenposition zu der Lösung von Böhm-Bawerk eingenommen hat ? entsprechend aufgeregt fielen dann auch die Reaktionen auf diesen Beitrag aus. Böhm-Bawerk war der Auffassung, dass Macht nur im Rahmen der Geltung ökonomischer Gesetze ihre Wirksamkeit entfalten könnte. Winfried Vogt war in diesem Aufsatz umgekehrt der Meinung, dass ökonomische Gesetze nur gesellschaftliche Macht exekutierten. In den Aufsätzen dieses Bandes finden sich beide Positionen wieder.

Auch wenn man der Auffassung ist, dass die Argumente für die Subsumtion des ökonomischen Gesetzes unter die Macht schwächer sind als die für die Subsumtion der Macht unter das ökonomische Gesetz, bleibt die Frage offen, ob die vom ökonomischen Gesetz beherrschte Sphäre tatsächlich so machtfrei ist, wie das vom wirtschaftswissenschaftlichen mainstream immer wieder behauptet worden ist. In unserer Einleitung konzentrieren wir uns auf diese Frage in Abschnitt V. Ihre Beantwortung hängt unter anderem von einer genauen Fassung der Schlüsselbegriffe ?Macht? und ?ökonomisches Gesetz? (IV) ab. Von besonderem Interesse ist die Frage, ob der Fortschritt der Wirtschaftswissenschaften seit Böhm-Bawerk etwas zur Klärung des Problems beigetragen hat. Unsere Ausführungen sind im Lichte dieser Frage zu sehen; sie beantworten sie allerdings nicht in der Form eines systematischen Durchgangs durch die einschlägige Literatur. Schon um die unterschiedlichen Positionen zum Thema dieses Bandes zu verdeutlichen, gilt es schließlich noch, die in diesem Band versammelten Aufsätze vorzustellen (VI). Ein kurzes Resümee (VII) beschließt die Einleitung.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht oder ökonomisches Gesetz?
Johannes Berger, Hans G. Nutzinger (Hg.):
Macht oder ökonomisches Gesetz?
the authors
Prof. Dr. Hans G. Nutzinger
Hans G. Nutzinger

vertritt das Fachgebiet Theorie öffentlicher und privater Unternehmen am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Kassel. Von 2000-2003 Fellow am Max Weber Kolleg in Erfurt.

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Prof. Dr. Johannes Berger
Johannes Berger

em. Professor für Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim.

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