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Samstag, 22. September 2018
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Zur (Ir-)Relevanz methodologischer Reflexionen in der wissenschaftlichen Politikberatung
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Zur (Ir-)Relevanz methodologischer Reflexionen in der wissenschaftlichen Politikberatung

13 Seiten · 2,85 EUR
(Oktober 2005)

 
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Aus der Einleitung:

Eine Methodologie der Politikberatung im Sinne eines differenziert ausgearbeiteten Systems methodologischer Regeln und Prinzipien der Politikberatung gibt es nicht. Selbst das Wort „Politikberatung“ wird einem in der methodologischen Literatur, – wenn überhaupt –, höchst selten begegnen. Daraus zu schließen, dass Methodologie generell keine Relevanz für die Politikberatung hat, wäre freilich ein voreiliger Schluss. Es könnte ja sein, dass eine prinzipielle Relevanz vorhanden ist, die sich nicht über begriffliche Affinitäten erschließt, aber in bestimmten sachlichen Zusammenhängen durchaus zutage tritt. Wenn wir etwa Politik als einen Bereich gesellschaftlicher Praxis betrachten, können wir der thematisch gestellten Frage einen anders gewendeten Bezug geben: Hat Methodologie etwas mit „Praxis“ zu tun? Das ist vorerst noch keine besonders präzise Fragestellung, aber sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen bislang nicht erwähnten Aspekt, den der metatheoretischen Auseinandersetzung mit Praxisproblemen.

Zu diesem Themenkreis liegt eine breit gefächerte Auswahl an wissenschaftlicher Literatur vor. Besonders in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat es eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Theorie-Praxis-Verhältnis gegeben, die unter erkenntnistheoretischen, sozialphilosophischen, wissenschaftstheoretischen und -soziologischen Fragestellungen geführt worden ist. Es hat zu jener Zeit programmatische Bestrebungen gegeben, die Soziologie als anwendungs- bzw. praxisorientierte Sozialwissenschaft zu etablieren, begleitet von engagierten Bemühungen, die Handlungskompetenz von Sozialwissenschaftlern auf diversen Praxisfeldern unter Beweis zu stellen. Konzeptualisierungen von Sozialwissenschaft als „prospektive Gestaltungswissenschaften“ oder als „‚Gestaltungsbeauftragte‘ im Dienste von Technik und Arbeit“ beschreiben weitere Facetten dieser Kombination von Forschungsprogramm und praktischem Engagement.

Aus diesem Selbstverständnis heraus liegt es nicht fern, sich auch mit den metatheoretischen Grundlagen der wissenschaftlichen Beratung der Politik zu beschäftigen. Ein Beispiel dafür liefert das viel beachtete Buch von Lompe, in dem sich der Autor aus erkenntniskritischer Perspektive detailliert mit den verschiedenen Beratungsmodellen auseinandersetzt, die seinerzeit intensiv diskutiert worden sind (technokratisches, dezisionistisches und pragmatistisches Beratungsmodell). Andere Beiträge haben ihr Interesse schwerpunktmäßig den methodologischen oder den empirisch-soziologischen Aspekten des gleichen Themenkreises zugewendet. Das Bewusstsein von der prinzipiellen Relevanz methodologischer Reflexionen in Zusammenhang mit Fragen der Politikberatung kann in einer Rückschau als das gemeinsame Band betrachtet werden, das viele Beiträge aus jener Zeit ungeachtet ihrer speziellen inhaltlichen Akzentuierung durchzieht.

Nach der Themenkonjunktur in den 70er Jahren ist die wissenschaftliche Diskussion um die Politikberatung zeitweilig abgeflaut. Doch in jüngster Zeit scheint sie erneut lebhafte Aufmerksamkeit zu finden. Als ein Beispiel für das revitalisierte Interesse an Grundlagenfragen der wissenschaftlichen Politikberatung mag die Tagung der Ad-hoc-Gruppe Politikberatung in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft aus dem Jahr 2004 dienen. In den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen zum Tagungsthema „Grundlagen und Grundsatzfragen der Politikberatung“ wurde unter anderem festgehalten, dass die unterschiedlichen Handlungslogiken von Wissenschaft und Politik einer effektiven Beratung im Wege stehen, dass mit den unterschiedlichen Handlungslogiken fundamental unterschiedliche Formen relevanten Wissen verbunden sind, dass es zweckmäßig sei, im politischen Beratungskontext zwischen Regierung-, Politik- und Verwaltungsberatung zu unterscheiden und anderes mehr. Probleme und Fragen dieser Art sind in den 70er Jahren bereits ebenfalls diskutiert worden. Dass sie nunmehr erneut auf der Tagesordnung stehen, darf daher als ein Indiz angesehen werden, dass es sich um ungelöste Probleme von unveränderter Aktualität handelt.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Glanz und Elend der Politikberatung
Uwe Jens, Hajo Romahn (Hg.):
Glanz und Elend der Politikberatung
Der Autor
Dr. Peter Rölke

Akademischer Direktor, Institut für Sozialwissenschaften, Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Technische Universität Braunschweig, Mitglied des Instituts für beratende Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – Gerhard Weisser-Institut.