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Monday, June 17, 2019
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Zur Reform des kommunalen Rechnungswesen: Öffentliche Selbstbeobachtung mit privaten Instrumenten?
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Zur Reform des kommunalen Rechnungswesen: Öffentliche Selbstbeobachtung mit privaten Instrumenten?

20 Seiten · 3,91 EUR
(Januar 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Welche Neuigkeiten kann die öffentliche Verwaltung im Hinblick auf ihre eigene Wirtschaftlichkeit entdecken, wenn sie sich in Form einer doppelten Buchführung, wie sie in privaten Organisationen als Planungs- und Steuerungsinstrument benutzt wird, selbst beobachtet? Die Reform des kommunalen Rechnungswesens gilt, eingebettet in das Konzept des New Public Managements, als Meilenstein auf dem Weg zu einer wirtschaftlicheren Verwaltung. In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Doppik durch die Generierung neuer Planungs- und Steuerungs-Daten dazu beiträgt, dass die Verwaltung wirtschaftlicher entscheidet.

Wenn man öffentliche Institutionen gegenwärtig daraufhin beobachtet, welche Selbstbeschreibungen sie im Rahmen der Reform- und Modernisierungsdiskurse bereit sind, zur Disposition zu stellen, dann fällt auf, dass dabei nichts Geringeres auf dem Spiel zu stehen scheint als ihr Selbstverständnis als öffentlicher Akteur. Die Unterscheidung zwischen „öffentlich“ und „privat“ ist eine der auffälligen und zentralen Grenzziehungen, die im Diskurs über die Reform der öffentlichen Verwaltung beobachtet werden kann.

Ob es sich um die spezifischen Leistungen von Kindergärten, Theater, Bibliotheken, Verkehrsgesellschaften oder Universitäten handelt – neue Konzepte und Arrangements werden primär vor dem Hintergrund von öffentlicher oder privater Eigentümerschaft, Finanzierung und Kontrolle verhandelt (Boyne 2002). Es wird sowohl darüber diskutiert, welche neuen Aufgaben der jeweiligen Sphäre zuzuordnen sind, als auch darüber, ob der Status quo der Aufgabenverteilung noch zeitgemäß ist. Nur vereinzelt sollen private Aufgaben nunmehr auch von öffentlichen Organisationen bereit gestellt werden (beispielsweise der Ausbau staatlicher Aufsichtspflichten im Bereich von Corporate Governance). Viel prominenter ist hingegen die Diskussion um die Frage, welche öffentlichen Aufgaben aus der Obhut des Staates entlassen und durch private Unternehmen effizienter bereitgestellt werden können (beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Energie, Bildung und Soziales). Darüber hinaus wird die Übertragung von ehemals öffentlichen Leistungen auf Bürgerinnen und Bürger unter dem Stichwort des zivilgesellschaftlichen Engagements diskutiert. An der Unterscheidung von „öffentlich“ und „privat“ orientieren sich die meisten der zentralen Reformthemen in der Verwaltung, wie sich an den jüngst für den Auf- und Ausbau eines universitären Forschungs- und Ausbildungsschwerpunktes Public Management von Budäus vorgeschlagenen drei Säulen zeigen lässt: die technologieorientierte Verwaltungsmodernisierung (diskutiert unter dem Stichwort E-Government als öffentliche Version der privatwirtschaftlichen E-Commerce-Variante), das Kooperations- und Fusionsmanagement (in seinen verschiedenen Ausprägungen wie beispielsweise Public-Private-Partnerships, Privatisierungen oder Shared Services) sowie die Einführung des neuen öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesens (mit der Unterscheidung von Kameralistik und Doppik). Jede Säule bestimmt die Grenzziehung zwischen „öffentlich“ und „privat“ auf eine eigene Weise. Am Beispiel des neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens soll in den folgenden Überlegungen exemplarisch diskutiert werden, welche Reformhoffnungen sich derzeit auf eine Form öffentlicher Selbstbeobachtung konzentrieren, die sich mit Einführung der Doppik privatwirtschaftlicher Instrumente bedient. Das Rechnungswesen fungiert durch die Rechnungslegung einerseits als organisationale Selbstbeschreibung in öffentlichen und privaten Institutionen. Andererseits stellt sie ein wichtiges Instrument zur Kontrolle von Verfügungsrechten bei der Übertragung von Ressourcen dar, wie es beispielsweise innerhalb der Institutionenökonomie anhand von Prinzipal-Agenten-Arrangements modelliert wird. Die Rechnungslegung adressiert damit also zweierlei: Aspekte sowohl organisationaler Selbst- als auch Fremdsteuerung. Die Ablösung der Kameralistik durch die doppelte Buchführung gilt als eines der zentralen Elemente von New Public Management. Mit der Einführung eines neuen kommunalen Haushaltsrechts verbindet sich die Hoffnung, bei der Reform der öffentlichen Verwaltung auf ein leistungsstarkes – privatwirtschaftlich bewährtes – Steuerungsinstrument zurückgreifen zu können. Bevor im Folgenden die Reformwirkungen der Umstellung von Kameralistik auf Doppik näher diskutiert werden, sollen einige grundsätzliche Überlegungen zur zentralen Unterscheidung von „öffentlich“ und „privat“ vorangestellt werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Öffentlich – Privat: Verwaltung als Schnittstellenmanagement
Patrick von Maravic, Birger P. Priddat (Hg.):
Öffentlich – Privat: Verwaltung als Schnittstellenmanagement
the author
Prof. Dr. Stefan Jung
Stefan Jung

geb. 1970, September 2009 zum Professor für Sozial- und Diakoniemanagement an der neu gegründeten International YMCA University of Applied Sciences in Kassel ernannt. Studium der Ökonomie an der Universität Witten/Herdecke, parallel Studien zur Philosophie, Soziologie und Verwaltungswissenschaft, seit 2000 geschäftsführender Partner bei Public One, einer Berliner Management- und Technologieberatung.

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