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Freitag, 20. Juli 2018
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Zur Theorie Dritter Ordnungen
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Zur Theorie Dritter Ordnungen

23 Seiten · 3,36 EUR
(Februar 2001)

 
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Aus der Einleitung:

Als Genossenschaftsforscher und Sozialpolitikwissenschaftler hat sich Werner Wilhelm Engelhardt in vielen Publikationen mit Leitbildern und Konzeptionen Dritter Wege oder Dritter Ordnungen zwischen „freier Verkehrswirtschaft“ und „Zentralverwaltungswirtschaft“ beschäftigt. Neben der makroökonomischen Ebene solcher Ordnungen hat er dabei insbesondere ihre historisch realisierten oder idealtypisch denkbaren Institutionen auf der mikroökonomischen und der mesoökonomischen Ebene nach ihrem Sinn und ihren organisatorischen Formen untersucht. Dabei hat er Gerhard Weissers morphologische Theorie und Politik der Einzelwirtschaften mit ihrer Vielfalt möglicher Determinanten des Betriebstyps eigenständig fortentwickelt. Engelhardt hat damit Wege der Forschung beschritten und fortgebildet, die – entgegen älteren Traditionen der ökonomischen Theoriebildung – seit der Neoklassik vielfach aufgegeben und durch einen ordnungspolitischen Alternativradikalismus ersetzt wurden. Dieser Wandel im voranalytischen Weltbild führte in der mainstream-Ökonomik einerseits zu einer elaborierten Analyse des Marktparadigmas und zur Anwendung dieser „Ökonomik als Methode“ auf die Analyse von Politik, Gesellschaft und Kultur, hinderte aber andererseits eine realitätsnahe Befassung mit vielen Institutionen gerade auch des Gegenstandsbereichs Wirtschaft, die allein „durch die Brille des allgemeinen Konkurrenzgleichgewichts“ betrachtet werden. Das neoklassische ökonomische Denken neigt, wie Hans Albert einmal dargelegt hat, zu einem Ordnungsmonismus, der das System Wirtschaft – und in der neoklassischen „neuen“ Institutionenökonomik die Teilsysteme der Gesellschaft schlechthin – auf ein Prinzip gründen zu müssen meint und dafür wieder nur eine Entscheidungsalternative zuläßt, nämlich marktlich-dezentrale Steuerung oder etatistisch-zentrale Steuerung. Dem entspricht auf der Ebene der Analyse von Betriebstypen die Klassifizierung von Betrieben entweder als autonome kapitalistische Unternehmungen oder als Organe plandeterminierter Leistungserstellung einer Zentralplanbehörde. Versuche, diesen Alternativradikalismus und damit den sozialwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Imperialismus des „reinen“ ökonomischen Denkens zu überwinden, stoßen immer wieder an die kategorialen Grenzen des voranalytischen Weltbilds der mainstream-Ökonomik. Hans Albert hat der dominierend gewordenen walrasianisch-neoklassischen Theorietradition mit Recht ein kognitives, ein institutionelles und ein motivationales Vakuum vorgehalten – weil sie die in realen Marktökonomien höchst bedeutsame strategische Unsicherheit bei der Entscheidungsfindung nicht beachtet und folglich zur theoretischen Überschätzung der Informationsleistung des Wettbewerbsmarktes und zur normativen Überlastung des Wettbewerbskonzepts für die Wirtschaftsordnungspolitik führt; weil sie aufgrund ihrer minimalen institutionellen Voraussetzungen lediglich mit denkbaren institutionellen Extremtypen arbeitet; weil sie ein eindimensionales Motivationskonzept unterstellt, das bei gegebenen Umständen immer nur eine Verhaltensweise der Akteure zuläßt. Da auch die neoklassische „neue“ Institutionenökonomik weithin am eindimensionalen Motivationskonzept des psychisch marktkonditionierten eigennützig-rational handelnden Individuums festhält, kann sie auch Institutionen außerhalb des Gegenstandsbereichs Wirtschaft nur in Analogie zum Marktmodell ausarbeiten. Motivationales Defizit und institutionelles Defizit bedingen sich gegenseitig.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Autor
Prof. Dr. Siegfried Katterle

emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre (Wirtschaftspolitik), Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bielefeld.

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