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Friday, April 19, 2019
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Zwischen Mythos und Mikropolitik: Soziale Kompetenz in der Wissensarbeit
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Zwischen Mythos und Mikropolitik: Soziale Kompetenz in der Wissensarbeit

29 Seiten · 3,81 EUR
(Februar 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Gerade seit den 1990ern rücken soziale Kompetenzen immer mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses. Man spricht von neuen Anforderungen am Arbeitsplatz oder von neuen Kriterien, die für den Berufserfolg von Beschäftigten ausschlaggebend seien. Dieser Bedarf an innovativen Fertigkeits- bzw. Qualifikationsprofilen wird vor allem im Zusammenhang mit dem immer schneller werdenden technologischen Wandel sowie strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt gesehen. Hintergrund des „Paradigmenwechsels“ bei Qualifikationsanforderungen im Erwerbsleben ist offensichtlich der allerorts deklarierte Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft.

Im Spannungsfeld von Wissensgesellschaft, intelligenten Gütern und wissensbasierten Organisationsformen verändert sich demzufolge der Charakter von Arbeit: Aus dem Modell der tayloristisch organisierten industriellen Arbeit entsteht das neue Leitmodell der Wissensarbeit. Deren besonderes Kennzeichen ist, dass das relevante Wissen nicht mehr nur einmal im Leben durch Erfahrung, Erziehung oder Ausbildung erworben wird, sondern vielmehr kontinuierlich revidiert und verbessert werden muss. Zudem wird Wissen nicht mehr als Wahrheit, sondern als Ressource betrachtet, die untrennbar mit Nicht-Wissen und den damit einhergehenden Risiken verbunden ist. Soziale Kompetenzen erhalten bei diesem Typus von Arbeit einen ganz neuen Stellenwert, denn der „Wissensarbeiter im allgemeinen“ soll über soziale Kompetenzen als Hintergrundwissen über die kontextsensitive Verwendung von Wissen verfügen. Insofern kann auf soziale Kompetenzen in der Wissensgesellschaft nicht mehr verzichtet werden, und sie sollen nun als Grundvoraussetzung für jede Form von Wissensarbeit an die Oberfläche gebracht, gemessen, gefördert, weiterentwickelt und damit als effizienzsteigernder Faktor dem Unternehmen zugänglich gemacht werden.

Bei so viel Aktualität stellt sich die Frage, was es organisationssoziologisch bedeutet, wenn Unternehmen verstärkt nach sozialkompetenten Mitarbeitern verlangen. Man hat den Eindruck, es handle sich um einen tiefgreifenden Wandel bei den Qualifikationsanforderungen an Arbeitnehmer, der auch Veränderungen für die Aus- und Weiterbildung impliziert. Um es mit Weiß auszudrücken, befindet sich Deutschland offensichtlich im „Übergang von der Bildungs- zur Kompetenzgesellschaft“. Doch obwohl der verstärkte Bedarf an sozialer Kompetenz in Unternehmen schon seit mehreren Jahre in aller Munde ist, hat die Soziologie, und die Organisationssoziologie im Besonderen diesem Begriff bisher kaum Beachtung geschenkt. Gelegentlich wird soziale Kompetenz als weitere Managementfloskel abgetan, deren Glanz in Bälde wieder verblassen wird und die „damit das gleiche Schicksal erfährt wie andere Zauberworte aus der Trickkiste der modernen Magier, die allerorten heute des Bessere ankündigen, um damit dem Schlechteren den Weg zu ebnen“. Dem widerspricht jedoch der Forschungseifer anderer wissenschaftlicher Disziplinen wie der Arbeits- und Organisationspsychologie oder der Wirtschaftspädagogik, die sich bereits seit mehrerer Jahren mit sozialer Kompetenz beschäftigen und ganze Forschungsprojekte zur Förderung, Messung, Aus- oder Weiterbildung von Kompetenzen ins Leben gerufen haben.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wissensökonomie und Innovation
Manfred Moldaschl, Nico Stehr (Hg.):
Wissensökonomie und Innovation
the author
Dr.  Kathrin Leuze
Kathrin Leuze

seit 2009 Leiterin der Projektgruppe „Nationales Bildungspanel: Berufsbildung und lebenslanges Lernen“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Juniorprofessorin für Bildungssoziologie an der Freien Universität Berlin.