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Zwischen Rot und Grün
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Zwischen Rot und Grün

Bemerkungen zur Zukunft des Beschäftigungssystems

13 Seiten · 2,79 EUR
(28. August 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Die siebziger Jahre brachten – was man rückblickend heute weit klarer erkennen kann als damals – eine entscheidende Zäsur in der ökonomischen und politischen Nachkriegsentwicklung der kapitalistischen Staaten im allgemeinen und Westeuropas im besonderen. Ein gesellschaftlicher Konsens, beruhend auf den Erfahrungen der Depressions- und Kriegsjahre, einen Rückfall in Not und Konfrontation zu vermeiden, ermöglichte in den Nachkriegsjahren eine breite Akzeptanz wohlfahrtsstaatlicher Konzepte für eine Wirtschaftspolitik, welche ein Wachstum der Wirtschaft fördern sollte, das möglichst allen Bürgern zugutekommen sollte. Insbesondere sollten Arbeitslosigkeit und extremer Protektionismus – die Schrecken der dreissiger Jahre – zurückgedrängt werden. Dieser Konsens konnte zustandekommen und wirksam werden, weil auf ökonomischer Seite mehrere günstige Bedingungen (Nachkriegs-Wiederaufbau, rückgestaute Konsum- und Investitionsnachfrage etc.) sowie erweiterte theoretische und wirtschaftspolitische Erfahrungen zur Verfügung standen und auf politischer Seite ein durch die soziale Aufbruchstimmung der dreissiger und vierziger Jahre verschrecktes Bürgertum eine grössere Konzessionsbereitschaft in Richtung einer aktiveren Sozial- und Beschäftigungspolitik an den Tag legte. Dieser Konsens, diese Kombination günstiger ökonomischer und politischer Faktoren, führte zu jener „goldenen“ Periode der sechziger Jahre, die eine für die Geschichte des Kapitalismus ungewöhnlich lange Zeitspanne hohen Wachstums und hoher Beschäftigung mit sich brachte.

Sie konnte sich durchsetzen, obwohl sich sehr bald zeigte, dass diese willkommenen Resultate zum Teil mit anderen ökonomischen Zielen und Erfordernissen, insbesondere Preisstabilität und Zahlungsbilanzgleichgewicht, in Konflikt kommen können. Daraus entstand das Problem der sogenannten „magischen Vielecke“, d.h. der Schwierigkeit, mehrere miteinander in Konflikt stehende Ziele gleichzeitig zu verfolgen. Aber im Rahmen des Konsenses für die grundlegenden Ziele der Beschäftigung und des Wachstums bemühte man sich, möglichst tragbare wirtschaftspolitische Wege und Kompromisse zu finden (z.B. Lohn- und Preispolitik), um eventuell notwendige Abstriche in der einen oder anderen Zielsetzung in Grenzen zu halten.

Im Laufe der siebziger Jahre begann dieses System allmählich abzubröckeln und schliesslich ganz zusammenzubrechen. Es mangelte nicht an objektiven Anstössen zu einem Wandel der Szene: Die expansiven Kräfte des nachkriegsbedingten Aufbau- und Nachholbedarfs waren erschöpft und erste Anzeichen eines wiederauflebenden Konjunkturzyklus machten sich schon zu Ende der sechziger Jahre bemerkbar; die andauernd hohe Beschäftigung und die inflationistische Finanzierung des amerikanischen Vietnamkriegs verschärften das Inflationsproblem und führten zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems mit nachfolgenden Wechselkurs- und Handelsstörungen; und schliesslich versetzte der Ölpreisschock (1973) der bereits labilen Situation einen weiteren Stoss. Diese äusseren Umstände mussten wohl unweigerlich eine Störung des „goldenen“ Zustands der sechziger Jahre herbeiführen. Aber nichts sprach dagegen, dass man nach einigen notwendigen Korrekturen wieder einigermassen auf den früheren wirtschafts- und sozialpolitischen „Erfolgskurs“ zurückkehren könne.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Kurt W. Rothschild
Kurt W. Rothschild

1915-2010, war wissenschaftlicher Referent und Forscher in leitender Position am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1985.

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