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Artefaktprobleme experimenteller Ökonomik
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Artefaktprobleme experimenteller Ökonomik

24 Seiten · 3,88 EUR
(26. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Wissenschaft ist heute fester Bestandteil unserer Kultur. Gleichwohl hat sie erst eine recht kurze Entwicklungsgeschichte. Was wir unter „Wissenschaft“ verstehen, begann vor rund vier Jahrhunderten damit, in bestimmter methodisch-systematischer Weise Fragen „an die Natur“ zu stellen. Während es mindestens drei Jahrtausende lang zuvor primär darum ging, die Welt hermeneutisch zu verstehen und ihre Ordnung sinnhaft (vor religiösen Hintergründen) auszulegen, waren die Motive des neuen Wissenschaftsprogramms davon bestimmt, die Funktionsweise der Welt (durchaus auch im wörtlichen Sinne) zu begreifen, um mit diesem Wissen selbst etwas zu machen, etwas zu schaffen oder Bestehendes zu verändern. Es entstand die experimentelle Methodik, die mit dem daraus gewonnenen Wissen und der damit verbundenen praktischen Handlungskompetenz den oft zitierten „Siegeszug“ der Naturwissenschaften und Technik begründete.

In den Industrienationen – die nicht zuletzt mithilfe dieser Wissens- und Handlungskompetenzen und der damit einhergehenden Machtpotenziale ihren kognitiv-ideologischen Einflussbereich auch geographisch ausweiten konnten – gehört diese Zugangsweise inzwischen geradezu zum Alltagsverständnis von „Wissenschaft“. Vielfach ist das Konzept des Experiments aus den Naturwissenschaften Inbegriff dafür, was als Kern von „Wissenschaftlichkeit“ schlechthin angesehen wird.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass solche Disziplinen, die sich erst vergleichsweise spät als „Wissenschaften“ etablierten und deren Zugänge zur Welt zunächst primär anders orientiert waren – beispielsweise die Sozialwissenschaften – zunehmend experimentelle Vorgehensweisen in ihre Forschungstätigkeiten integrieren. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden, besonders wenn theoretische Vorstellungen damit empirisiert werden und/oder bereits bestehende empirische Konzepte und Zusammenhangsannahmen gegenüber Alternativen testbar gemacht werden. Allerdings lässt gerade die oben skizzierte scheinbare Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit einer experimentellen Zugangsweise eine gewisse Sorglosigkeit bei der Übertragung naturwissenschaftlicher Methodologie auf andere Wissenschafts¬be¬reiche aufkommen. Dies birgt die Gefahr, dass Forschungsartefakte entstehen könnten. Im Kontext meines Beitrags werde ich diese Artefakt-Probleme auf den folgenden Bereich zentrieren:

Es ist zu bedenken, dass sich gerade in den letzten drei Jahrzehnten – ausgelöst durch die „Theorie nichtlinearer Systeme“, die in vielen Diskursen mit populäreren (Unter)-Konzepten wie „Chaostheorie“, „Emergente Strukturen“, „Fraktale Geometrie“ etc. auftaucht – bedeutsame Veränderungen im Verständnis der Natur und, wichtiger noch, im Verständnis unserer Verständnisfähigkeit vollzogen haben. Einige Rückwirkungen dieser Veränderungen auf die Methodologie des Experiments selbst werden zunächst aufgezeigt (Abschnitt 2). Die Diskussion wird dabei auf unterschiedliche Einzelaspekte der Thematik „Idealisierungen“ fokussiert. Es handelt sich um eine sehr grundsätzliche Perspektive auf das experimentelle Geschehen – auch wenn im Rahmen dieses Beitrags nur eine Skizze und nicht eine elaborierte Entfaltung der Argumente und Zusammenhänge geleistet werden kann. Gleichwohl kann diese skizzenartige Erörterung vielleicht dazu beitragen, die kritische Diskussion um die experimentelle Vorgehensweise in der Ökonomik mit weiteren Perspektiven zu versehen.

Um die diskutierten Probleme zu konkretisieren, werden im 3. Abschnitt einige Aspekte am Beispiel der Messung subjektiver Wahrscheinlichkeiten im Rahmen der Entscheidungstheorie erörtert. Dies einerseits, weil die inhaltliche Rahmenthematik, nämlich Entscheidungen unter Unsicherheit, unmittelbaren Bezug zu den in diesem Band behandelten Fragen von Reziprozität und Fairness in der Ökonomik hat. Wichtiger ist aber andererseits, dass die diskutierten Aspekte bezüglich der Artefaktanfälligkeit bei der Konzeption solcher Experimente Fragen aufwerfen, denen sich analog auch die experimentelle Ökonomik zu stellen hat.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Experimente in der Ökonomik
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Experimente in der Ökonomik