sprache deutsch
sprache english
» Zum Merkzettel
0 Artikel
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Thursday, September 19, 2019
 Startseite » Ökonomie  » Entwicklung, Wachstum & Wissen  » Evolution 
Die Evolution von Wohlfahrt
Downloadgröße:
ca. 372 kb

Die Evolution von Wohlfahrt

Ein Problem der Anpassung

38 Seiten · 4,05 EUR
(Februar 2007)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus der Einleitung:

Seit alters her beschäftigen sich Menschen im allgemeinen und Philosophen im besonderen mit der Frage, welche Verhaltensweisen wünschenswert sind und welche Rolle individuelle Bedürfnisse oder Wünsche bei der Beantwortung dieser Frage spielen. Mit dem Ende von Absolutismus und Feudalismus und dem Beginn der industriellen Revolution gewann dieses Problem neue Aktualität, weil neue Quellen des Reichtums erschlossen wurden, für deren Aufteilung die überkommenen Maßstäbe nicht anwendbar waren. Die Antwort des Utilitarismus war hedonistischer Natur: Es ging darum, für die Gemeinschaft das größte Glück zu verwirklichen.

Nachdem Wohlfahrt zunächst lange Zeit mit dem aggregierten Output der Produktion gleichgesetzt wurde, gelang es Marshall und Pigou (1929), die individuelle Perspektive einzuführen, indem sie mit der Grenznutzentheorie den individuellen Konsum von Gütern als eigentliche Quelle des Glücks in den Mittelpunkt der Ökonomik stellten. Der Nutzen wurde aus der individuellen Zahlungsbereitschaft abgeleitet, war in der Aggregation aber auch als ökonomisches Wohlfahrtsmaß akzeptiert. Es handelte sich um ein kardinales Maß, das interpersonelle Vergleichbarkeit erlaubte.

Zu Beginn der 30er Jahre dieses Jahrhunderts wurde Pigous objektiver Nutzenansatz durch das subjektive Nutzenkonzept von Robbins ersetzt: Wegen ihrer wissenschaftlich schwer verifizierbaren Ergebnisse wurde die hedonistische Introspektion durch formal spezifizierte, offenbarte Präferenzen ersetzt. Leider wurde durch dieses Vorgehen der interpersonelle Nutzenvergleich stark erschwert: Man war beschränkt auf ordinale Nutzenrelationen und auf das Pareto-Kriterium, dessen Eignung zur Beurteilung gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse als sehr beschränkt angesehen werden muss. Arrow (1963) versuchte, die Anwendbarkeit des ordinalen Nutzenkonzeptes durch Kombination mit einer Theorie des Wählens zu erweitern, musste aber mit seinem Unmöglichkeitstheorem einräumen, dass eine Ableitung des gesellschaftlichen Nutzens von den individuellen Nutzenfunktionen nur bei Annahme der Einstimmigkeit möglich war. Wie im Falle des Pareto-Kriteriums ist die Unergiebigkeit dieses Ergebnisses direkt auf die zugrundeliegende strenge Annahme der völligen Unabhängigkeit individueller Präferenzen zurückzuführen. Es waren Rawls (1971) und Buchanan (1977), die durch Einführung der Schleier von Unwissenheit bzw. Unsicherheit diese Unabhängigkeit de facto aufhoben.

Damit wurde zwar die Existenz eines individuenübergreifenden Wohlfahrtskriteriums zugestanden, es war aber offen, wie dieses Kriterium aussehen und wie es zustande kommen könnte. (Voraussetzung für das Zustandekommen eines entsprechenden Gesellschaftsvertrages war zumindest bei Buchanan wiederum Einstimmigkeit, deren Zustandekommen postuliert, aber nicht erklärt wurde.)

Offensichtlich war und ist die Bestimmung der Wohlfahrt einer der wichtigsten Untersuchungsgegenstände der Ökonomik. Im allgemeinen wurde sie als Zweck angesehen, zu dem die geeigneten Mittel gefunden werden sollten. Aus evolutorischer Sicht sind die Zusammenhänge deutlich andere: das individuelle Wohlergehen, Freude wie Leid, stellt die Antriebskraft menschlichen Verhaltens dar. Es ist daher eher Mittel als Zweck. Dasselbe gilt um so mehr für die Wertvorstellungen, die individuelle Nutzengewinne und -verluste miteinander in Relation setzen. Die Frage, die sich stellt, ist also nicht, wie das oder die Wohlfahrtskriterien aussehen, sondern wie sie zustande kommen.

Nachdem zunächst (in Abschnitt 2) die individualistisch-rationale Perspektive als die Hauptursache für die sehr eingeschränkte Brauchbarkeit des Pareto-Kriteriums herausgestellt wird, wird in den nächsten Abschnitten dargestellt, wie Normen und Werte (unter ihnen das Wohlfahrtskriterium) vom Individuum erlernt (Abschnitt 3) und von Generation zu Generation weitergegeben werden (Abschnitt 4) und wie sie sich auf das individuelle Verhalten insgesamt auswirken (Abschnitt 5). Im evolutorischen Kontext werden (in Abschnitt 6) Normen und Werte als Schlüsselelemente zur Koordination individuellen Verhaltens dargestellt, die im Rahmen kulturellen Wettbewerbs Selektion auf der Gruppenebene ermöglichen. Die Wohlfahrtseffekte dieses Wettbewerbs sind aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die in Abschnitt 7 diskutiert werden. Wie diese Voraussetzungen konkret erfüllt werden können, wird in Abschnitt 8 erläutert.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Perspektiven des Wandels
Marco Lehmann-Waffenschmidt (Hg.):
Perspektiven des Wandels
the author
Dr. Dr. Christian Sartorius
Christian Sartorius

Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

[weitere Titel]