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Effizienz, Gerechtigkeit und die Theorie des guten Lebens
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Effizienz, Gerechtigkeit und die Theorie des guten Lebens

29 Seiten · 4,26 EUR
(31. Januar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Gerechtigkeitsfragen werden in aktuellen ökonomischen Ansätzen eher als Randthemen denn als zentrale Fragestellungen behandelt. Entweder werden sie anderen Themenbereichen wie der Wohlfahrtstheorie oder der Verteilungstheorie unmittelbar zu- bzw. untergeordnet oder sie gehen in spezieller Hinsicht in den Datenkranz insbesondere der mikroökonomischen Analyse ein, wenn etwa implizit angenommen wird, dass Gerechtigkeitsüberlegungen in bestimmter Weise das Verhalten der Individuen beeinflussen und sie z.B. daran hindern, alle strategischen Optionen zur Aneignung von Überschüssen anzuwenden, die man aus Rationalitätserwägungen heraus erwarten müsste. In den Modellen schlägt sich dies als eine spezielle Präferenz für bestimmte Formen der Gleichheit nieder, oder es werden Restriktionen formuliert, die bestimmte Verhaltensweisen ausschließen. Auch in der Wirtschaftspolitik scheinen bestimmte Gerechtigkeitsvorstellungen, die mit Umverteilungen verbunden sind, zur Zeit nur von untergeordneter Bedeutung zu sein, wenn man etwa den Umbau von Systemen der Sozialen Sicherung betrachtet. Gerade in diesem Zusammenhang fällt auf, dass offensichtlich ein grundsätzlicher Zielkonflikt zwischen Effizienz und (Verteilungs-)Gerechtigkeit gesehen wird und dem Effizienzziel Priorität eingeräumt wird, wenngleich es grundsätzlich diskussionswürdig ist, ob beide Konzepte überhaupt auf einer identischen Zielebene liegen.

Wenn man nun aufbauend auf den Ausführungen der vorangehenden Beiträge den Begriff der Gerechtigkeit stärker in den Fokus der Überlegungen stellt und zudem resümierend noch einmal betont, dass Gerechtigkeit eine Voraussetzung für effizientes Wirtschaften ist, stellen sich die Fragen, welche Begriffe von Effizienz und Gerechtigkeit jeweils angesprochen sind, welche Relevanz für ökonomische Fragen die gewählten Begriffe und Konzepte haben und wieso sie anders als in anderen Vorstellungen nicht neutral oder gar dysfunktional zur ökonomischen Effizienz gesehen werden. Dieser Beitrag beschäftigt sich deshalb zunächst kurz noch einmal mit Begriffen und Konzepten, die im Zusammenhang mit Gerechtigkeit und Effizienz diskutiert werden. Dabei wird auf grundsätzliche moralphilosophische und -psychologische Sichtweisen zu Gerechtigkeitsfragen Bezug genommen. Es soll gezeigt werden, dass eine gewisse Annäherung beider relevanter Perspektiven in den Ideen des aus einer aristotelischen Tradition entwickelten Konzepts des „guten Lebens“ und einer gestaltpsychologischen Perspektive möglich wird.

Während unterschiedliche Gerechtigkeitskonzepte und mit ihr verbundene Freiheitsvorstellungen explizit als disparate Modelle verstanden und diskutiert werden, scheint der Effizienzbegriff in der ökonomischen Theorie mit der Verwendung der Konzepte des Pareto-Optimums und des Kaldor-Hicks-Kriteriums relativ unstrittig. Diese Position ist jedoch u.a. unter Beachtung der Diskussion über die Gerechtigkeitsmodelle nicht ohne weiteres haltbar. Es soll gezeigt werden, dass der Effizienzbegriff ebenfalls mit konzeptionellen Problemen behaftet ist. Aus der Diskussion des „guten Lebens“ und der Gestaltperspektive ergibt sich, dass Präferenzen für eine Reihe ökonomischer Fragestellungen nicht als hinreichend stabil angenommen werden können, weil sie systematisch vom wahrgenommenen Kontext abhängen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften
the author
Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke
Gisela Kubon-Gilke

Professorin für Ökonomie und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Im Metropolis-Verlag gibt sie zusammen mit Martin Held und Richard Sturn das "Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik" heraus.

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