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Dienstag, 17. Juli 2018
 Startseite » Geschichte  » Emigration & Remigration 
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"Emigrantenstaat" auf tönernen Füßen

Das Saarland nach 1945

42 Seiten · 4,78 EUR
(August 1997)

 
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Aus der Einleitung:

Mitte September 1945 kehrte ein Mann aus dem brasilianischen Exil an die Saar zurück, der das Schicksal dieses Landes noch entscheidend mitbestimmen sollte: der Katholik und ehemalige Zentrumspolitiker Johannes Hoffmann. 1935 war er vor Hitler zunächst nach Luxemburg, 1940 dann über Frankreich nach Übersee emigriert. Über seine Gefühle und Erlebnisse bei seiner Ankunft in Saarbrücken berichtete er später: ?Als der Zug sich der großen Eisenbahnbrücke am Eingang nach Saarbrücken näherte, verlangsamte er sein Tempo. Die Brücke war nur notdürftig wieder hergestellt. So konnte ich schon vom Zug aus langsam das Bild der zerstörten Stadt in mich aufnehmen. Es war ein schauriges Bild, das mir die Heimat bot, in die ich, als Ausgestoßener zu den Ausgestoßenen, heimkehrte.? Das Gefühl, ein Ausgestoßener zu sein, teilte der spätere Ministerpräsident des Saaarlandes mit jenen etwa 2.000 saarländischen Emigranten, die seit Mai 1945 aus dem Exil, aus Gefängnissen und Konzentrationslagern in ihre ehemalige Heimat zurückkehrten − und er sollte es zeit seines Lebens nicht mehr ablegen.

Die Geschichte und Politik keiner anderen Region Deutschlands wurde nach 1945 so sehr durch Remigranten geprägt wie die des Saarlandes, und das sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Das Industrierevier an der Saar fungierte nicht allein als ein Zentrum der politischen Remigration; im wesentlich von Remigranten geprägten sozialklerikalen Saarstaat Johannes Hoffmanns und Richard Kirns nahm die Ideenwelt von Teilen der antinationalsozialistischen deutschen Emigration − teilweise allerdings bis zur Karikatur verzerrt − zeitweise politische Gestalt an. Der das zusammenwachsende Europa in vielem antizipierende ?Emigrantenstaat? an der Saar war der letztlich gescheiterte Versuch, aus der Katastrophe des deutschen Nationalstaats die politische Konsequenz zu ziehen. In meinem Aufsatz möchte ich einige der quantiativen und qualitativen Aspekte der saarländischen politischen Remigration beleuchten, wobei ich mich im wesentlichen auf die Ergebnisse meines gemeinsam mit Klaus-Michael Mallmann durchgeführten Forschungsprojektes über ?Widerstand und Verweigerung im Saarland 1935-1945? beziehen werde.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Rückkehr und Aufbau nach 1945
Claus-Dieter Krohn, Patrik von zur Mühlen (Hg.):
Rückkehr und Aufbau nach 1945
Der Autor
Prof. Dr. Gerd Paul
Gerd Paul

Bildungswissenschaftliche Hochschule Flensburg/Universität und Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte