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Monday, August 19, 2019
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Ist Lohnzurückhaltung gut oder schlecht für das Schweizer Wirtschaftswachstum?
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Ist Lohnzurückhaltung gut oder schlecht für das Schweizer Wirtschaftswachstum?

21 Seiten · 4,41 EUR
(April 2014)

 
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Aus der Einleitung des Herausgebers:

Jochen Hartwig greift ein Thema auf, das in der wirtschaftspolitischen Debatte in den letzten Jahren ein immer größeres Gewicht erlangt hat, nämlich Auswirkungen der Lohnzurückhaltung auf das längerfristige Wirtschaftswachstum. Keynes hat in der "General Theory" die gegenläufigen Effekte einer solchen Lohnentwicklung auf Produktion und Beschäftigung herausgearbeitet; zu ihnen gehören auch die Wirkungen der damit verbundenen Umverteilung der Einkommen. Der Verteilungseffekt war lange in den Darstellungen der Keynes'schen Theorie in den Hintergrund getreten, gefördert dadurch, dass Keynes bei seiner ausführlichen Analyse der objektiven und subjektiven Bestimmungsfaktoren des Konsums von einer gegebenen Einkommensverteilung ausgeht. Zudem hat Keynes keine Verteilungstheorie entwickelt. Anders ist dies bei Kalecki. Inzwischen ist in keynesianischen Beiträgen die Einkommensverteilung wiederentdeckt worden (siehe z.B. die Tagungsbände 5 und 6 der Schriften der Keynes-Gesellschaft). Als besonders fruchtbar haben sich die Modellansätze von Bhaduri und Marglin erwiesen, weil sie das Tor zu empirischen Überprüfungen der theoretischen Analyse geöffnet haben. Zahlreiche Studien haben inzwischen empirisch für verschiedene Volkswirtschaften in unterschiedlichen Zeiträumen zu ermitteln versucht, ob eine Veränderung der Einkommensverteilung zu Lasten der Lohneinkommen die Nachfrageentwicklung gedämpft oder befördert hat. Im ersten Fall spricht man von einem lohngeleiteten in letztere von einem profitgeleiteten Nachfrageregime. Es zeigt sich, dass mittlere und große Volkswirtschaften eher ein lohngetriebenes Nachfrageregime aufweisen, während die Nachfrage in kleinen und offenen Volkswirtschaften wie Österreich und die Niederlande eher profitgetrieben sind. Dies lässt sich wie folgt erklären: Je kleiner und offener eine Volkswirtschaft ist, desto größer ist die positive Wirkung einer Lohnzurückhaltung auf die Exporte, sodass der negative Effekt auf den Konsum der Arbeitnehmer überkompensiert wird. Dies gilt umso mehr, wenn die Unternehmen, bei denen die Profitrate steigt, mit höheren Investitionen reagieren. Dieser Effekt lässt sich allerdings häufig empirisch nicht belegen. Hartwig ergänzt diese Studien und untersucht, welches Nachfrageregime sich für die Schweiz in den sechs Jahrzehnten seit 1948 nachweisen lässt. In dieser langen Zeitspanne wechselten sich Phasen der Lohnmoderation (1950er und 1990er Jahre) mit Phasen einer eher expansiven Lohnentwicklung in den Jahrzehnten dazwischen ab. Der Autor erweitert die Fragestellung, indem er zusätzlich untersucht (was bisher selten geschehen), wie sich die Lohnentwicklung auf das Wachstum der Produktivität auswirkt. Zu vermuten ist, dass ein rascheres Wachstum der Produktion die Produktivität erhöht (Verdoorn's Law). Zusätzlich löst eine expansive Lohnentwicklung Rationalisierungseffekte aus; für Lohnzurückhaltung gilt das Gegenteil. Die Empirie bestätigt die Vermutungen. Die Nachfragedynamik in der Schweiz ist profitgetrieben; die Produktivitätsentwicklung wird durch höhere Profitanteile gebremst: In der Phase der Lohnmoderation ab 1990 hat die Lohnzurückhaltung das BIP-Wachstum in der Schweiz um fast 1% erhöht. Gleichzeitig hat sie einen geringen Beitrag zur Verlangsamung des Produktivitätswachstums geleistet, sodass die Beschäftigung etwas weniger erhöht wurde als das Wachstum der Produktion.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Jochen Hartwig
Jochen Hartwig

Professor für Volkswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftspolitik, Technische Universität Chemnitz.

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