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Tuesday, July 23, 2019
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Macht oder ökonomisches Gesetz im Sozialismus
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Macht oder ökonomisches Gesetz im Sozialismus

41 Seiten · 5,81 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Hans-Jürgen Wagener (Frankfurt/Oder) untersucht die inzwischen historisch gewordene Fragestellung „Macht oder ökonomisches Gesetz im Sozialismus“. Da sich in Wettbewerbssystemen Macht auf zwei Ebenen äußert, nämlich auf Märkten einerseits und in Hierarchien (vor allem Unternehmen und Organisationen) andererseits, stellen die horizontalen Marktbeziehungen die differentia specifica zur sozialistischen Planwirtschaft dar, die auf solche Marktbeziehungen ja weitestgehend verzichtet; ausgeprägte Kennzeichen von Hierarchie im Unternehmen haben sich dagegen von Anfang an, entgegen den Erwartungen von Marx über eine herrschaftsfreie „Assoziation der unmittelbaren Produzenten“, in der Theorie und vor allem in der Praxis des Sozialismus feststellen lassen.

Zur Analyse des Machtproblems stellt Wagener zunächst einige Überlegungen zu den Allokationsregeln der Welfare Economics und entsprechender sozialistischer Theoriestränge (vor allem bei Leonid Kantorovic und Nikolai Bucharin) an. Im Zusammenhang damit fragt Wagener, inwieweit solche Allokationsregeln konkretes Handeln vorschreiben. Die Frage nach einer Transformation der Präferenzen in einer sozialistischen Planwirtschaft führt – unter Bezugnahme auf die Ethik Spinozas – zu dem Ergebnis, dass eine nicht entfremdete, „vernünftige“ Lebensweise des Gattungswesens Mensch nichtantagonistische Präferenzen erfordern würde. Ein derartiges Wirtschaftssystem wird aber als Utopie erkannt, und am Beispiel des israelischen Kibbuz wird gezeigt, dass man realistischerweise von individualistischen Präferenzen ausgehen muss.

Im zweiten Hauptteil seiner Darlegungen untersucht Wagener, inwieweit der Sozialismus wirtschaftliche Macht, verstanden als Monopolmacht, tatsächlich aufgehoben hat. Die Entscheidung für ein Planungssystem auf Gesellschafts- und Unternehmensebene setzt ja zwangsläufig Macht des Staates und Macht der Unternehmensleitungen voraus; das führt zur Frage nach der (demokratischen) Legitimation solcher Machtvollkommenheiten, die nicht einfach durch den Verweis auf einen „demokratischen Zentralismus“ hinwegdefiniert werden können. Ökonomische Gesetze werden im Folgenden als universelle Regeln zweckrationalen optimierenden Handelns sowohl im Markt wie auch in Planwirtschaften verstanden. Zur Prüfung der Frage, ob nun im Sozialismus „Gesetz oder Macht“ vorrangig Gültigkeit habe, untersucht Wagener drei fundamentale ökonomische Gesetze des Sozialismus, (1) das ökonomische Grundgesetz der „maximal möglichen Befriedigung der integralen materiellen und geistigen Interessen aller Mitglieder der Gesellschaft“, (2) das Gesetz der Zum Verhältnis von „Macht“ und „ökonomischem Gesetz“ 51 planmäßigen, proportionalen Entwicklung der Volkswirtschaft, verstanden als Gesetz der maximalen Effektivität der gesellschaftlichen Produktion, und (3) das „Wertgesetz“, aufgefasst als Gesetz der materiellen Stimulierung der Produktion und der Arbeit durch monetäre Übereinstimmung zwischen den materiellen Interessen der Produzenten und der Gesellschaft insgesamt. Gerade auf dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise hat es auch bei westlichen Ökonomen Hoffnungen auf eine rationale sozialistische Akkumulation und ein damit verbundenes optimales Wachstum gegeben – Erwartungen, die vom real existierenden Sozialismus (entgegen mancherlei theoretischen Erwägungen) gründlich enttäuscht wurden. Zum Verständnis dieser Prozesse sind politisch-ökonomische Überlegungen zur Funktion von Partei- und Wirtschaftseliten hilfreich, und diese machen verständlich, warum die erwartete Effizienz sozialistischer Produktion sich weder in statischer noch in dynamischer Hinsicht hat bestätigen lassen. Dies führt zurück zu den oben erwähnten Legitimationsproblemen, die sich daraus ergeben, dass eine bewusste gesellschaftliche Planung eine gewaltige Anhäufung von Machtbefugnissen beim Staat voraussetzt. Sie wurden in der Geschichte des staatlich verordneten Sozialismus auf gesamtgesellschaftlicher Ebene niemals befriedigend gelöst. Die planerische Variante der Allokationstheorie nach dem Motto „perfect competition equals perfect computation“, die Preise nur als Rationierungsinstrumente begreift und damit die machtbegrenzende Funktion realer Wettbewerbsprozesse übersieht, kann dem Machtproblem im Sozialismus weder theoretisch noch praktisch gerecht werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht oder ökonomisches Gesetz?
Johannes Berger, Hans G. Nutzinger (Hg.):
Macht oder ökonomisches Gesetz?
the author
Prof. Dr. Hans-Jürgen Wagener
Hans-Jürgen Wagener

Prof. Dr. Hans-Jürgen Wagener (1941) hat in Berlin und München Volkswirtschaft und Soziologie studiert. Mit der Neugründung der Viadrina wechselte er 1993 auf einen Lehrstuhl Wirtschaftspolitik, insbesondere Ordnungspolitik, nach Frankfurt (Oder). Dort gründete er das Frankfurter Institut für Transformationsstudien und beschäftigte sich vor allem mit Fragen des institutionellen Wandels.

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