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Sonntag, 16. Dezember 2018
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Mehr als der Markt - Institutionen der Wertschöpfung im Gesundheitssystem
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Mehr als der Markt - Institutionen der Wertschöpfung im Gesundheitssystem

22 Seiten · 3,76 EUR
(März 2006)

 
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Aus der Einleitung des Beitrags:

In der Ökonomik ist es üblich, in Polarisierungen zu denken. Markt - Staat, Produktion - Konsum, Preise - Mengen, Angebot - Nachfrage usw. sind Pole, welche die Denkheuristik unserer Wissenschaft sehr erleichtern. Allerdings, so die hier verfolgte These, werden diese dualen Logiken der Vielschichtigkeit und Vielfalt ökonomischer Wirklichkeit nicht immer gerecht. Manchmal kann es, z.B. für eine wohlfahrtssteigernde Politikberatung, wichtig sein, mehr unterscheiden zu können, als nur Markt und Staat. ... Beispielsweise handeln die Nachfrager (Patienten) die Preise mit den Leistungserbringern nicht aus. Stattdessen wird die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) aktiv (Einzel- und Kollektivverträge) oder der Staat setzt die Preise (z.B. die Gebührenordnung für Ärzte zur Abrechnung mit Privatpatienten). In vielen Fällen setzt primär der Anbieter (z.B. Arzt oder Krankenhaus) fest, welche Leistungen der Patient nachfragt, statt dass der Nachfrager eine autonome Nachfrageentscheidung trifft. Auch gibt es strenge Marktzutrittsregulierungen, Produktzulassungsverfahren, spezifische Qualitätskontrollsysteme und die unterschiedlichsten Preissysteme (mit Festbeträgen, Festzuschüssen, Zuzahlungen, Bonussystemen usw.). Der Gesundheitssektor weist keine typischen Markteigenschaften auf. Üblicherweise werden seine Besonderheiten als Ergebnis besonderer Regulierungen aufgrund von Marktunvollkommenheiten/Marktversagen erklärt, die in den spezifischen Produkt-, Konsum- bzw. Produktionseigenschaften des Gutes begründet sind. Auf die Inhomogenität und Besonderheiten des Gutes "Gesundheit" wird im zweiten Abschnitt eingegangen. ...

Es reicht allerdings nicht, wie im 3. Abschnitt dargestellt, einfach nur neue Unterscheidungen von Koordinationssystemen neben Markt und Staat einzuführen, wie etwa die institutionentheoretischen Pole Markt - Netzwerk - Hierarchie. Man braucht nicht nur unterschiedliche Namen für unterschiedliche Phänomene, sondern man braucht auch ein theoretisches Fundament zur Erklärung, warum welche Phänomene entstehen, stabil bleiben oder vergehen. Insbesondere ist nicht nur die Differenzierung wichtig, sondern es sind auch die unterschiedlichen Transaktionstypen und -sphären in der Art ihres Zusammenspiels zu verstehen und die Stabilität und Transformationsbedingungen spezifischer Muster zu erklären. Mit dem Variety of Capitalism-Ansatz (Abschnitt 4) wird ein Theoriekonzept vorgestellt, das die gewünschte Differenzierungstiefe erreicht und insofern für die Analyse des sehr inhomogenen Gesundheitsbereichs fruchtbar gemacht werden kann. Im 5. Abschnitt wird deshalb eine Integration des Gesundheitssektors in den Variety of Capitalism-Ansatz versucht. Anschließend wird im Abschnitt 6 die Ebene der europäischen Gesundheitspolitik als Beispiel gewählt, an dem deutlich wird, dass ein optimales Transaktionsregime für ein bestimmtes Produkt nicht allein aus den Produkt- bzw. Produktionseigenschaften bestimmt werden kann, sondern aus dem gesamten sozio-ökonomischen Setting, in dem eine Volkswirtschaft produziert, Transaktionen durchführt und konsumiert. Wer auf europäischer Ebene eine harmonisierende Standardisierung für gesundheitspolitische Teilbereiche erzwingen will, ohne die Spezifität der je nationalen Settings zu beachten, kann im Ergebnis leicht suboptimale Zustände bewirken. Insofern plädiert dieser Artikel, aufgezeigt an einem Beispiel aus dem Gesundheitswesen, für ein stärker differenzierendes und zugleich ganzheitliches Analysetool ökonomischer Prozesse.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Soziale Sicherung in Marktgesellschaften
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Soziale Sicherung in Marktgesellschaften
Die Autorin
Dr. Beate Männel

Referentin im Stabsbereich Verbandspolitik und Kommunikation des BKK Bundesverbandes. Arbeitsschwerpunkte: Gesundheitsökonomie, Sozialpolitik, Ordnungspolitik, Europapolitik, Institutionentheorie. Forschungsschwerpunkte: Sprache in der Ökonomie, Kognitionstheorie, evolutorische Ökonomik.

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