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Preisbildungsregime und Einkommensverteilung
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Preisbildungsregime und Einkommensverteilung

Ein internationaler Vergleich

20 Seiten · 4,08 EUR
(25. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Preise bilden sich auf Märkten durch Interaktionen zwischen Anbietern und Nachfragern, wobei von vollkommenen Märkten bzw. vollständiger Konkurrenz dann die Rede ist, wenn weder Anbieter noch Nachfrager ein Gut bzw. einen Marktteilnehmer bevorzugen (Homogenität), alle Anbieter und Nachfrager über die erzielten Preise informiert sind (Transparenz) und weder der Staat noch marktmächtige Unternehmen fähig sind, die Preismechanismen zu kontrollieren (vgl. Arrow/Debreu 1954). Preise reflektieren allerdings nicht nur das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf vollkommenen und kontrollierten Märkten, sie signalisieren potenziellen Marktteilnehmern auch den Grad der Knappheit eines Gutes oder einer Dienstleistung. In diesem Sinne prognostizierte Luhmann (1988, 34) denn auch, dass sich in funktional ausdifferenzierten Wirtschaftssystemen die „Sprache der Preise“ als Universalsprache durchsetzt.

Obwohl inzwischen eine Vielzahl soziologischer Analysen von Preisbildungsprozessen im Unterschied zur mikroökonomischen Preistheorie die soziale Einbettung von Marktprozessen betont und dokumentiert, mangelt es auch diesen Analysen an einer Reflektion makroinstitutioneller Einflussfaktoren. Das ist insofern bedauerlich, als der Blick auf Marktprozesse den Eindruck vermittelt, dass die Forderung nach vollständiger Konkurrenz weder eingelöst noch unbestritten ist. In der Tat ist erkennbar, dass viele Staaten Monopole und Kartelle dulden und sich Protagonisten der Konzepte des „funktionsfähigen“ oder „dynamischen“ Wettbewerbs vom Ideal vollkommener Märkte distanzieren. Kurzum: Reale Preismechanismen sind in ein institutionelles Geflecht von impliziten und expliziten Prinzipien, Normen, Regeln und Entscheidungsverfahren bzw. „Preisbildungsregimes“ eingebettet, die das politische Kräfteverhältnis zwischen Gegnern und Befürwortern von wettbewerbspolitischen Leitmodellen reflektieren.

Im Unterschied zu den Preisbildungsregimes auf Arbeitsmärkten sind die nationalen Preisbildungsregimes auf Produktmärkten auch von der komparativen Forschung vernachlässigt worden. Zwar untermauern viele Kapitalismustypologien die Ansicht, dass Adam Smiths Forderung nach Preisbildungsregimes, die dem liberalen Marktprinzip verpflichtet sind, in der Sphäre des „neoamerikanischen“ Kapitalismus ungleich stärker als in den Ländern mit „rheinischem“ Kapitalismus (Albert 1991) realisiert sei. Diese internationalen Vergleiche beschränken sich jedoch auf subjektive Expertenmeinungen, auf wenige Länder oder Charakteristika der Unternehmenskooperation. Mit anderen Worten: Es mangelt bislang an einer befriedigenden Beantwortung der Frage nach den Unterschieden zwischen nationalen Preisbildungsregimes und der Frage nach deren strukturellen Korrelaten und Verteilungswirkungen.

Der vorliegende Beitrag versucht diese beiden Fragen auf der Basis von komparativen Analysen zu beantworten, welche neuerdings verfügbare Indikatoren für das Preisbildungsregime berücksichtigen. Theoretische Bezugspunkte dieser Analysen sind Konzepte und Theorien (Abschnitt 2), die sich mit der institutionellen Basis von Preisbildungsregimes (Wettbewerbsregeln) und deren Verteilungseffekten (soziale Schließung, Rent Seeking-Theorie) befassen. Im dritten Abschnitt erfolgt ein Überblick über die empirischen Unterschiede zwischen nationalen Preisbildungsregimes. Der vierte Abschnitt konzentriert sich auf die postulierten Zusammenhänge zwischen den Preisbildungsregimeindikatoren und dem Ausmaß der Einkommensungleichheit.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Ökonomischer und soziologischer Institutionalismus
Michael Schmid, Andrea Maurer (Hg.):
Ökonomischer und soziologischer Institutionalismus
the author
Dr. Michael Nollert
Michael Nollert

Ass. Prof. an der Universität Freiburg (CH), Oberassistent an der Universität Zürich. Forschungsschwerpunkte: Wirtschaftssoziologie, Politische Soziologie, Konfliktforschung, Interessenvermittlung, Fragen der sozialen Sicherheit.