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Rational Choice der Kultur?
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Rational Choice der Kultur?

Gary S. Beckers Ansatz und dessen Grenzen

51 Seiten · 6,15 EUR
(15. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob bzw. inwieweit „Kultur“ in die ökonomische Theorie eingebaut werden kann. Unter den Kritikern des sog. neoklassischen ökonomischen Verhaltensmodells und darauf aufbauender Ansätze besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Ökonomie die kulturellen Bedingungen und Auswirkungen des wirtschaftlichen Handelns sträflich missachtet.

Tatsächlich lässt sich die Entwicklung der ökonomischen Theorie von ihren Ursprüngen bei Adam Smith bis zur „Vollendung“ der neoklassischen Gleichgewichtstheorie in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Geschichte der Entleerung von sozialen und kulturellen Bezügen nachzeichnen. Dahinter stehen Anstrengungen zur Objektivierung subjektiver Elemente der Theorie und dies wiederum begründet sich in der Orientierung am Wissenschaftsideal der klassischen Physik. So verkam die ökonomische Theorie zur „Astronomie der Güterbewegungen“.

Ausgerechnet „Chicago-Boy“ Gary S. Becker, der für viele Kritiker aufgrund seines Anspruchs, den ökonomischen Ansatz auf alle Bereiche menschlichen Verhaltens anwenden zu können, geradezu die Inkarnation des – als „Schreckensmann der Sozialwissenschaften“ verschrienen – homo oeconomicus darstellt, versucht jedoch (neben Vertretern der Institutionenökonomik) die daraus resultierende Inhaltsleere der Ökonomik zu überwinden. In jüngeren Werken beschäftigt er sich explizit mit Kultur.

Mit dem Faktor Humankapital versucht Becker sowohl individuelle Gewohnheiten als auch intersubjektive Faktoren wie Normen, Verhaltensdruck durch Bezugsgruppen und Traditionen – oder eben allgemeiner: Kultur – in die ökonomische Theorie zu integrieren. Dabei überwindet er das Paradigma der neoklassischen Ökonomik nicht, sondern wendet es im Gegenteil mit bestechender Konsequenz an. Gerade deshalb erscheint uns eine ausführliche Auseinandersetzung mit seinem Ansatz sinnvoll, um die prinzipiellen Grenzen der Erklärungskraft von Rational-Choice-Modellen herauszuarbeiten und damit aufzuzeigen, wo kulturwissenschaftliche Theorien erkenntnisfördernd ansetzen können.

Wir werden dazu im Folgenden die wichtigsten Elemente des Becker-Approaches sowie die Hauptargumentationslinien darstellen (Abschnitt 2) und dabei die Unterschiede zur neoklassischen Standardökonomik verdeutlichen. In Abschnitt 3 nehmen wir dann eine kritische Analyse vor. Dabei werden wir zunächst aufzeigen, dass der Ansatz auf einer allgemeinen Ebene durchaus in der Lage ist, kulturelle Einflüsse des Konsums, wie sie seit einigen Jahren verstärkt in der sozialwissenschaftlichen Literatur diskutiert werden, zu berücksichtigen. Dabei verfängt er sich allerdings in methodischen Problemen der Tautologie und des infiniten Regresses. Einem Gegenargument der Verfechter des Becker-Ansatzes entsprechend, werden wir prüfen, inwieweit der Ansatz dennoch eine nützliche Heuristik zur Rekonstruktion und Prognose von Entscheidungen darstellt. Dabei unterscheiden wir zwischen einer Anwendung als Mikrotheorie und einer Anwendung als Mikrofundierung für eine Makrotheorie.

Wir werden zeigen, dass in beiden Verwendungsarten vor allem die sog. Definition der Situation ein innerhalb des Ansatzes nicht zu überwindendes Problem darstellt. Hier spielen kulturell geprägte Wahrnehmungsmuster und Institutionen eine bedeutende Rolle. Der Beitrag endet mit einem kurzen Fazit.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung
Forschungsgruppe Unternehmen und gesellschaftliche Organisation (FUGO):
Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung
the author
Prof. Dr. Dirk Fischer
Dirk Fischer

Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Führung & Organisation am Fachbereich Management, Information, Technologie der Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

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