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Sonntag, 16. Dezember 2018
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Umweltethik ohne Natur?
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Umweltethik ohne Natur?

Anmerkungen zu den Prinzipien der gegenwärtigen Ansätze

27 Seiten · 4,07 EUR
(August 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Ein merkwürdiges Phänomen ist zu konstatieren: das Verschwinden der Natur aus der Umweltethik, die doch früher sogar Naturethik genannt wurde. In neueren, ansonsten sehr interessanten und gut durchdachten Monographien kommt die Natur als eigenständiges Thema gar nicht mehr vor; als Grundprinzip fungiert eher ein politisch-sozialer Begriff wie Gerechtigkeit. Das möchte ich im ersten Abschnitt dieses Beitrags kurz belegen, indem ich die Entwicklung der deutschen Umweltethik seit den 1970er Jahren nachzeichne. Allerdings kann die Natur tatsächlich nicht das normative Fundament der Umweltethik sein: Erstens ist der Begriff der Natur intensional viel zu unklar und extensional viel zu umfangreich, um diesen Status beanspruchen zu können. Zweitens bestünde die Gefahr eines naturalistischen Fehlschlusses; wenn in der Philosophie irgendwo ein gut begründeter Konsens herrscht, dann wohl in der Überzeugung, dass dies zu vermeiden sei. Drittens werden sich naturrechtliche Ansätze, trotz einiger bekannter Versuche in den letzten Jahrzehnten, wohl nicht rehabilitieren lassen. Viertens kann die Natur keine ethische Orientierung liefern, weil die in ihr zu findende Moral eher das Recht des Stärkeren ist, dem wir uns verschließen sollten. Fünftens dürfte kaum jemand bestreiten, dass im Konfliktfall, etwa zwischen dem Überleben einer menschlichen Population und dem Erhalt eines Biotops, die nicht-menschliche Natur zurücktreten muss. Im zweiten Abschnitt möchte ich deshalb zeigen, welche anderen Prinzipien der Umweltethik zugrunde liegen sollten. In diesem Zusammenhang gehe ich kritisch auf einige der neueren Ansätze ein. Erst das sechste Prinzip, das im dritten Abschnitt entwickelt wird, ist ein genuin umweltethisches; ich nenne es "Werte in der Natur" und erinnere an die tragfähigsten Argumente. Letztlich bleibt der Anthropozentrismus unangefochten, aber aus diesem folgt kein normatives Monopol des Menschen. Meine Intention ist es also, der Natur selbst in der Umweltethik einen angemessenen Stellenwert zu verschaffen. Motivations-, Anwendungs- und Durchsetzungsprobleme werden ausgeklammert; es geht allein um die normativen Prinzipien, ihre Begründung und ihr Verhältnis zueinander – dies aber ist auch das eigentliche Feld der Philosophie.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wo steht die Umweltethik?
Markus Vogt, Jochen Ostheimer, Frank Uekötter (Hg.):
Wo steht die Umweltethik?
Der Autor
Prof. Dr. Christian Thies
Christian Thies

geb. 1959, seit 2009 Lehrprofessur für Philosophie an der Universität Passau. Zuvor Studium der Philosophie, Geschichte und Erziehungswissenschaft in Hamburg, 1989-1995 Lehrbeauftragter für Elektrotechnik/Softwareinformatik an der Fachhochschule Hamburg, 1999-2006 wiss. Assistent am Institut für Philosophie der Universität Rostock, 2007-2009 Stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Philosophie Hannover.