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Zwischen Kommune, Versorgungsunternehmen und Kundschaft
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Zwischen Kommune, Versorgungsunternehmen und Kundschaft

Herausbildung und Transformation der industriegesellschaftlichen Wasserinfrastruktur

28 Seiten · 3,94 EUR
(31. Mai 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Wasserinfrastruktur wurde in der Vergangenheit häufig auf Technik verkürzt. Tatsächlich ist es aber sinnvoll, ein umfassenderes Verständnis zugrundezulegen und dabei auch die ökologische, soziokulturelle und politische Einbettung der Infrastruktur zu berücksichtigen. Wir gehen daher von folgendem, im Projektverbund netWORKS entwickelten Verständnis leitungsgebundener Infrastruktursysteme aus: Die primäre Ebene dieser Systeme besteht nicht alleine aus der technisch-materiellen Infrastruktur (Ver- und Entsorgungsnetze, Netzknoten, Produktions- und Regelungsanlagen), sondern zugleich aus den Ver- und Entsorgungsunternehmen, die die institutionell-organisatorische Lösung der Leistungserstellung erbringen. Eine sekundäre Ebene der Infrastruktursysteme bilden

- die natürlichen Umweltbedingungen und die Ressourcenausstattung,

- die kulturellen Werte und die gesellschaftlichen Institutionen des Umgangs bzw. der Nutzung natürlicher Ressourcen und

- die politischen, administrativen, rechtlichen und ökonomischen Institutionen.

Mit dem Aufbau der Infrastruktur der Siedlungswasserwirtschaft wurde Wasser zum mengenmäßig größten Stoffstrom, der durch die mitteleuropäischen Kommunen hindurchgeht und dort mit Abfällen aller Art beladen wird. Wenn sich Kulturen an ihrem Umgang mit Wasser unterscheiden lassen, dann ist die Wasserkultur Mitteleuropas als eine Kultur des Sisyphus zu kennzeichnen. Wasser wird (unter dem Vorwand der Säuberung und Hygiene) durch die Städte geleitet und kommt aus ihnen so verschmutzt zurück, dass es mit extrem hohem Aufwand – Geld und Energie (eventuell auch Chemie) – aufbereitet werden muss (Baccini et al. 1999; Kluge et al. 1998).

Allgemein kennzeichnend für die im 19. Jahrhundert aufgebaute industriegesellschaftliche Wasserinfrastruktur ist die Verknüpfung von Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung über eine komplementäre, innerhäusliche Infrastruktur, deren heimliches Zentrum das WC ist (Kluge et al. 1988): Denn die größten Wassermengen in den Haushalten werden durch die Toilette gespült, um von dort Urin und Fäkalien wegzutransportieren. Unter anderem auf diese Weise wird das Wasser in ein nicht weiter brauchbares Abwasser verwandelt, das ökologisch unerwünschte Folgewirkungen hat (Eutrophierung, Verkeimung und chemische Belastung von Flüssen und Meeren). Die Kommunen insgesamt – mit den einzelnen Haushalten als Kernzellen von Konsum und Stoffumsatz – werden so zu gewaltigen Durchflussreaktoren, deren Zentrum die industriegesellschaftliche Wasserinfrastruktur ist.

Folglich steht das Wasserinfrastruktursystem selbst in seiner industriegesellschaftlichen Form einer gewünschten Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit im Wege. Allerdings ist es derzeit – ausgelöst durch die Debatte um Liberalisierung und Privatisierung einerseits, sowie bedingt durch neue europarechtliche Anforderungen und die Finanzkrise der Kommunen andererseits – bereits einer starken Transformation unterworfen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Die Zukunft der Infrastrukturen
Reinhard Loske, Roland Schaeffer (Hg.):
Die Zukunft der Infrastrukturen
the author
Dr. Thomas Kluge

Leiter des Bereichs „Wasser und Nachhaltigkeit“ im Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt a.M. Privatdozent am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel.