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Donnerstag, 19. Juli 2018
 Startseite » Ökonomie 

Auf der Suche nach dem Ökonomischen – Karl Marx zum 200. Geburtstag

492 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1325-1 (April 2018 )

Hardcover, Fadenheftung

 
 

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx geboren. Der 5. Mai 2018 ist als 200. Geburtstag also ein Datum, zu dem es den nach wie vor populärsten Kritiker dessen, was wir als Kapitalismus bezeichnen, und einen ebenso großen wie umstrittenen Denker, Publizisten und auch Politiker zu würdigen gilt. Die Herausgeber dieses Buches haben die versammelten Autoren aus diesem Anlass zu einer theoretischen (und praktisch bedeutsamen) Frage eingeladen, die den Kern der Marxschen Theorie und Kapitalismuskritik betrifft: Was ist eigentlich das Ökonomische?

Das zielt auf die gesellschaftliche Imagination des Ökonomischen (Cornelius Castoriadis) unter den besonderen Bedingungen des Kapitalismus wie auf die Frage, wie jenseits davon eigentlich die Beziehungen zwischen dem Ökonomischen und dem darüber hinausgreifenden Gesellschaftlichen verstanden werden sollten.

Die Zusammenführung ganz verschiedener Autoren verbindet sehr unterschiedliche Zugänge zu dieser Frage zu einem informativen und vielseitigen Ganzen. Umso besser, um Verhältnissen zu entrinnen, in denen ökonomische Kalküle über unser Leben bestimmen.


Einleitung


1. Marx, die Ökonomie und die Ökonomik

Hans A. Frambach:
Zur Erklärung von wirtschaftlicher Entwicklung bei Karl Marx

Frank Beckenbach:
Warenreproduktion mittels Waren? Eine kritische Würdigung des ökonomietheoretischen Ansatzes von Marx

Heinz D. Kurz:
Karl Marx und die "Unsichtbare Hand"

Bertram Schefold:
Die Bedeutung des Transformationsproblems und seine Lösung

Helge Peukert:
Warum ist die Marxsche Theorie ein unentbehrlicher pluraler Bestandteil für die Volkswirtschaftslehre?


2. Marx, Ökonomie und Gesellschaft

Claus Thomasberger:
Das ökonomische Problem in einer komplexen Gesellschaft. Marx' Beitrag zu einer transformativen Wissenschaft

Lars Hochmann:
Vordenken braucht Nachdenken. Ökonomik ist Analyse, nicht Abstraktion von Ökonomie

Reinhard Pfriem:
Die nachökonomische Gesellschaft als reale Utopie. Überlegungen zur Aufhebung des Ökonomischen

Raul Zelik:
Marx! - Warum den kritischen Gesellschaftswissenschaften ein materialistic turn gut tun würde und was sich sonst von Marx noch lernen ließe

Rainer Lucas:
Inwertsetzung räumlicher Strukturen. Produktion und Reproduktion als Grundlagen einer transformativen Stadt- und Regionalentwicklung

Uwe Schneidewind, Holger Berg, Katharina Bohnenberger, Hans Haake/ Georg Kobiela, Laura Machler:
Von der Deep Treadmill zur alternativen Stadtökonomie. Eine Verbindung von Überakkumulationstheorien und Suffizienzdiskurs


3. Marx, Ökonomie und die zukünftige Gesellschaft

Marco Lehmann-Waffenschmidt, Johannes Rohbeck:
Wirtschaft und Geschichte ohne Telos. Marx' geschichtsphilosophischer Ansatz im Spannungsfeld zwischen Geschichtsphilosophie und Evolutionsökonomik

Burghard Flieger:
Das Marxsche Kooperativensystem. Evaluierungsgrundlage für eine transformative Genossenschaftswissenschaft

Michael Brie:
Das "Kapital" - Zukunftswissenschaft zu praktischen Zwecken. Eine Skizze

Birger P. Priddat:
Die "wirkliche Ökonomie" bei Marx. Über den Kommunismus als Reich der Freiheit freier Zeit

Contraste, 405, Juni 2018, S. 11 ()

"Wie sollten im Anschluss an Marx die Beziehungen zwischen dem Ökonomischen und dem darüber hinausgreifenden Gesellschaftlichen verstanden werden? Nach Auffassung der Herausgeber wird dieses spannende Feld von der gegenwärtigen Soziologie weitestgehend ignoriert. Aus ihrer Sicht ist es deshalb an der Zeit, sich aus ökonomischer Perspektive dieser Herausforderung zu stellen.

Freie Entwicklung des Einzelnen

Die einzelnen Autoren verfolgen sehr unterschiedliche Zugänge. Den Herausgebern gelingt aber die Bündelung des Themas zu einem informativen und vielseitigen Ganzen. Dabei wird u.a. mit dem Irrtum aufgeräumt, Marx sei in Fragen ökonomischer Organisation ein Zentralist, wie es ihm viele Kritiker im Nachgang zu den Formen von Vergesellschaftung und staatsmonopolistischen Unternehmen im real existierenden Sozialismus vorwerfen. Dies hat allerdings nichts mit seiner alternativen Wirtschaftskonzeption zum Kapitalismus zu tun.

Vielmehr hatte Marx im Grunde eine sehr positive Einstellung zu dezentralen, gemeinschaftsorientierten Formen des Wirtschaftens. So schreibt er im Manifest der kommunistischen Partei: »An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.« (MEW 4: 482)

Sympathisant der Genossenschaftsidee

Marx kann insofern als Sympathisant der Genossenschaftsidee gelesen werden, obwohl die empirische Basis für eine zeitgenössische Bewertung der aufkommenden Genossenschaften noch weitgehend fehlte. Burghard Flieger arbeitet in seinem lesenswerten Beitrag heraus, dass der gesellschaftsverändernde Charakter von Genossenschaften von Marx auf vier Ebenen skizziert wird:

1. Auf der Ebene der einzelnen Person, des Arbeiters, der sich freiwillig mit anderen zusammentut, um eine Genossenschaft zu gründen.

2. Die Genossenschaft selbst ist nicht nur als wirtschaftliches Unternehmen zu sehen, sondern beinhaltet soziales Engagement für eine sozialere Welt.

3. Der experimentierende Charakter von Genossenschaften mit neuen Eigentums-, Leitungs-, Produktions- und Vertriebsstrukturen.

4. Um dem Anpassungsdruck des Kapitalismus widerstehen zu können, müssen sich Genossenschaften nach Marx mit anderen Genossenschaften kooperativ verbinden. Erst diese Verbindungen ermöglichen emanzipatorische, transformative Kooperativen.

Insgesamt handelt es sich um eine anregende Lektüre nicht nur für kritische Ökonomen, die zeigt, dass Marx auch heute noch für die wissenschaftliche Diskussion in praktischer Absicht nutzbar gemacht werden kann."



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.5.2018, S. 18 ()

"Der 200. Geburtstag von Karl Marx hat nicht wenige Zeitgenossen zur Feder greifen lassen. Darunter finden sich (unter anderen mittlerweile politisch komplett gewendete) ehemalige Verehrer, in deren Betrachtungen das Werk des aus Trier stammenden Rauschebarts nicht selten als Projektionsfläche für Reflexionen ihres eigenen politischen (Irr-)Weges durch die Jahrzehnte dient.

Der vorliegende Aufsatzband ist nicht völlig frei von solchen Momenten, aber insgesamt handelt es sich um eine recht interessante Zusammenstellung, die von den Herausgebern in drei nicht völlig klar abgrenzbare Themenblöcke unterteilt wurden. Besonders der erste Teil ist fast durchgängig lesenswert und lehrreich, auch wenn man Helge Peukerts Auffassung, die Lehre von Marx sei ein unverzichtbarer Gegenstand moderner "pluraler" ökonomischer Lehre, nicht teilen muss. Entschädigt wird der Leser mit Beiträgen von Hans Frambach über wirtschaftliche Entwicklung, Heinz Kurz über die "unsichtbare Hand" und Bertram Schefold über das berühmt-berüchtigte Transformationsproblem."




Die Autoren
Prof. Dr. Reinhard Pfriem
Reinhard Pfriem

ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung und Betriebliche Unternehmenspolitik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

[weitere Titel]
Prof. Dr. Claus Thomasberger
Claus Thomasberger

FHTW Berlin, International Economics

[weitere Titel]
Dr. Rainer Lucas
Rainer Lucas

Betriebs- und Volkswirt, ist seit 2000 am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie als Projektleiter beschäftigt. In der Abteilung "Stoffströme und Ressourcenmanagement" leitete er zahlreiche überjährige Forschungsprojekte, welche sich mit dem Ordnungsrahmen und den Handlungsbedingungen abfallwirtschaftlicher Unternehmen befassten.

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "anregende Lektüre nicht nur für kritische Ökonomen" ...
    Contraste, 405, Juni 2018, S. 11 mehr...
  • "recht interessante Zusammenstellung" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.5.2018, S. 18 mehr...
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